Unterschied zwischen medizinischer und beruflicher Reha

  • Hallo aus dem Norden,


    Nachdem ich lange Zeit beiderseits an Taubheit grenzend schwerhörig war und eine OP immer wieder hinausgeschoben habe, habe ich mich schließlich 2014 rechts doch für ein CI entschieden. Zuerst ging es nur langsam Stück für Stück voran, aber nach einem Jahr war ich so begeistert vom neuen Hören, dass ich auch mein 2. Ohr operieren ließ,

    Nach beiden Operationen erfolgte die Reha ambulant im Krankenhaus. Das war damals auch okay.


    Nun überlege ich aber doch eine stationäre Reha zu machen. Im Moment ist es auf der Arbeit ziemlich stressig. Ich arbeite im Einzelhandel und durch den Kundenverkehr und die laute Geräuschkulisse bin ich abends fix und alle. Mein Tinitus meldet sich dann laut und gerne zu Wort. Dazu kommt, dass ich immer öfters aufgefordert werde " mal eben irgendwo anzurufen " Ich kann zwar inzwischen telefonieren, für mich ist das aber leider nicht so einfach wie für die Kollegen. Unbekannte Stimmen, lauter Hintergrund... ihr kennt das ja sicher selbst.


    Nun meine Frage. Ich interessiere mich für eine Reha im Rehazentrum für Hörgeschädigte in Rendsburg. Ich habe Infomaterial von dort bekommen und das Konzept gefällt mir gut, Es gibt Hörtraining für CI Träger inkl. Telefontraining sowie Entspannungstraining. Ausserdem denke ich, dass es mir gut tun wird, einfach mal rauszukommen. Dort steht, dass es sich um eine berufliche Reha handelt. Nun muss ich mal ganz doof fragen, was ist denn der Unterschied zwischen einer beruflichen und einer medizinischen Reha ? Wie läuft das bei einer beruflichen Reha mit der Antragstellung ? Hat vielleicht jemand von euch Erfahrung mit Rendsburg ?


    Vielen Dank schon mal im Voraus für eure Antworten

  • Bei Wikipedia steht das:


    „Berufliche Rehabilitation ist eine zusammenfassende Bezeichnung für bestimmte Sozialleistungen zur Rehabilitation. Das Gesetz bezeichnet sie auch als Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

    Während die medizinische Rehabilitation in erster Linie der Wiederherstellung der Gesundheit dient und Maßnahmen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft die Integration in die Gesellschaft ermöglichen sollen, dient die berufliche Rehabilitation der Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit und der Sicherung eines Erwerbseinkommens auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt (§ 10 Nr. 2 SGB I).“


    So wie ich es verstehe, kannst du als Berufstätige dann keine berufliche Reha machen, sondern musst eine medizinische Reha machen.

    einseitig ehemals an Taubheit grenzend, Implantation am 20.9.19, EA am 24.10.19, Nucleus 7 von Cochlear

    das andere Ohr ist normalhörend

  • Stelle ein Antrag auf Reha, wenn du ein Behindertenausweis hast hilf dir beim ausfüllen das Intregrationsamt. ich würde dann ad Salzuflen angeben. Arbeite auch in Einzelhandel bin An der Kasse tätig. Habe noch keine Ci aber ich bin da dran das ich erstmal eine Seite bekommen.Ich habe 2014 auch mit hilfe des Intregrationsamt meine erste Reha bekommen.Da war ich in Bad Nauheim und letztes Jahr war ich in Bad Berleburg jeweils 5 Wochen. Hat mir sehr gut geholfen. Nimm dir die Auszeit damit Du noch lange am Arbeitsleben teil nehmen kannst.

  • Guten Morgen,

    meines Wissens dient

    - die medizinische Rehabiliation zum Wiederherstellen/Verbessern der körperlichen/psychischen Leistungsfähigkeit des Einzelnen

    - die berufliche Rehabilitation einer Verbesserung /Neuorientierung/Umschulung auf beruflicher Ebene

    - beide Maßnahmen nur begrenzt was miteinander zu tun haben und insofern beide beantragt werden dürfen (wenn man arbeitet).


    Der Antrag auf medizinische Rehabilitation läuft häufig über den Hausarzt/behandelnden Arzt und geht an die Rentenkasse, die berufliche Rehabilitation läuft meistens über den Integrationsfachdienst/Integrationsamt; hierbei ist es nicht zwingend notwendig einen Behindertenausweis zu haben.


    VG aus dem Westen,

    grautsvornix

  • Hallo Simu,


    ich war vor zwei Jahren in Rendsburg im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation.


    Diese Rehaart können alle berufstätigen Personen beantragen. Sie dauert 4 Wochen und zuständig ist die Deutsche Rentenversicherung Bund. Es geht dabei um die Sicherung Deiner Arbeitsfähigkeit bzw. Deiner Teilhabe am Arbeitsleben. Es sei denn, Du bist frisch operiert, dann handelt es sich um eine medizinische Reha - da Du aber berufstätig bist, ist trotzdem die Deutsche RV zuständig.


    Wenn ich es richtig sehe, hast Du zweimal eine medizinische Reha gemacht, jeweils nach CI-OP, stimmt das?


    Eine berufliche Reha ist davon völlig unabhängig und kann alle 4 Jahre beantragt werden.


    Melde Dich doch einfach dort per Mail, die Leute sind sehr hilfsbereit und helfen Dir auch beim ausfüllen des Reha-Antrags und ggf. beim Widerspruch, falls notwendig. Olaf Biemann ist der Leiter, er setzt sich sehr ein und betrachtet widerspenstige Behörden in sportlicher Hinsicht als Herausforderung...


    Wichtig ist die Begründung, warum Du die Reha benötigst, was genau Deine Probleme im Arbeitsleben sind und welche Hilfe Du Dir von der Reha erhoffst. Ich habe diese Punkte sehr ausführlich dargelegt. Auch dabei wird Dir geholfen.


    Bei weiteren Fragen kannst Du mich gerne per PN kontaktieren.


    Schöne Grüße

    Alexsandra

  • Hallo Simu,


    Willkommen hier im Forum! Ich war 2015 in Rendsburg zur Reha. Damals war ich noch keine CI-Trägerin, sondern hochgradig schwerhörig. Mir hat es dort sehr gut gefallen, sehr herzliches und kompetentes Team (2 von 3 Trainer*innen tragen selbst CIs), angenehme Unterkunft, gutes Essen, schöne, ländliche Umgebung mit Fluss und Kanal drumherum und viele interessante Ausflugsmöglichkeiten.


    In der Reha ging es vor allem um die Auseinandersetzung mit der Hörschädigung, sie für sich zu akzeptieren und Strategien zu entwickeln, wie man sie anderen vermittelt und wie man für sich selbst und für gute Bedingungen für das bestmögliche Hören sorgt. Dafür waren Gespräche in der Gruppe zentral, wo jede*r Raum für die eigene Geschichte und individuellen „Baustellen“ bekam. Dazu kamen Gebärden- und Abseh-Trainings, um das Spektrum der Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern. Das "Entspannungstraining" bestand zu meiner Zeit in Rendsburg nur aus einer Stunde Qi-Gong pro Woche, an dem man freiwillig teilnehmen konnte.


    Das Besondere an Rendsburg ist, dass die Reha für alle 4 Wochen dauert und dass man in diesem Zeitraum mit der kleinen Gruppe aus ca. 10-14 Leuten zusammenbleibt. So kann ein besonderer Zusammenhalt entstehen, es ist alles sehr persönlich, fast familiär.


    Es ist für dich vielleicht wichtig zu bedenken, dass die Gruppe nicht unbedingt nur aus CI-Träger*innen besteht. Wenn dir das wichtig wäre, solltest du dich explizit nochmal in Rendsburg erkundigen. In meinem Fall waren nur 2 von ca. 12 Teilnehmenden CI-Trägerinnnen, die anderen Hörgeräte-Träger*innen oder auch bisher unversorgte Ertaubte.


    Die CI-Trägerinnen hatten zusätzlich zu dem allgemeinen Programm Termine zur CI-Einstellung und Hörtraining - das lief allerdings (zu meiner Zeit jedenfalls) eher nebenher. Wenn es dir vor allem um die Optimierung der CI-Einstellungen, Hörtraining und den Austausch mit anderen CI-Trägern geht, könnte eine Reha in Kliniken wie Bad Nauheim oder St. Wendel sinnvoller sein.


    Mir persönlich hat damals Rendsburg sehr viel gebracht, weil ich dort zum ersten Mal näheren Kontakt mit anderen Hörgeschädigten hatte und die Erfahrung gemacht habe, wie entlastend es sein kann, sich nicht immer erklären zu müssen, wenn alle ein ähnliches Problem haben. Auch habe ich zum ersten Mal Leute mit CIs kennengelernt und es hat mich beeindruckt und zuversichtlich gestimmt, mitzubekommen, wie gut vor allem die CI-Träger*innen aus dem Team kommunizieren und sogar Gruppen anleiten konnten. Auch von technischen Unterstützungsmöglichkeiten für Hörgeschädigte (wie z.B. Schriftdolmetschen) zu erfahren und sie ausprobieren zu können, war wichtig für mich.


    Ich denke, wenn man, wie ich damals, eher am Anfang der Auseinandersetzung mit der Hörschädigung steht und Bestärkung und Strategien braucht, damit umzugehen, ist Rendsburg perfekt. Wenn man aber schon etwas weiter und erfahrener ist, und es eher darum geht die CI-Einstellungen zu optimieren und Hörtraining zu machen, sind meiner Meinung nach eher Kliniken wie Bad Nauheim, Salzuflen oder St. Wendel die erste Wahl.


    Das ist meine persönliche Einschätzung, und da es ja schon eine Weile her ist, seit ich die Reha in Rendsburg gemacht habe, kann es auch sein, dass sich mittlerweile einiges dort verändert hat. Wenn es dich interessiert, könntest du auch mal in die (vielleicht aktuelleren) Erfahrungsberichte hier schauen:

    https://www.kurklinikverzeichn…n-deutschland/bewertungen


    Wie Alexandra schon schrieb, werden sie dir in Rendsburg sicher Rat geben können, bei welchem Träger du in deiner spezifischen Situation die Reha beantragen solltest und dich auch bei der Antragstellung unterstützen - einfach mal eine Mail hin schreiben.


    Ansonsten würde ich dir raten, dir auch einmal die Angeboten der Reha-Kliniken in Bad Nauheim, Bad Salzuflen und St. Wendel (habe ich eine vergessen?) anzuschauen - vielleicht passt das ja auch besser zu deinen Bedürfnissen.


    Viele Grüße!

    Seit Anfang 20 progrediente, tieftonbetonte Schwerhörigkeit (ungeklärte Ursache), erst nur auf einem Ohr, mittlerweile beidseitig an Taubheit grenzend.

    Seit dem 24.6.19 links implantiert mit HiRes Ultra 3D von AB mit der SlimJ Elektrode, Sprachprozessor Naida Q90; rechts Hörgerät Naida link von Phonak.

    Edited once, last by Cino ().

  • Tut mir leid, dass ich mich jetzt erst wieder melde. Ich habe eure Antworten zwar lesen können. Vielen Dank dafür :), aber ich hatte gestern Probleme mich hier anzumelden und konnte deshalb nicht zurückschreiben. Ich war schon drauf und dran, mich als Simu2 nochmal anzumelden. Aber nun hat es schließlich doch noch geklappt.


    @Alexandra ja, das ist richtig. Nach den beiden CI Operationen habe ich jeweils eine medizinische Reha gemacht. Allerdings nur ambulant 2 mal die Woche im Krankenhaus.


    Ich habe schon nach Rendsburg geschrieben und Infomaterial angefordert. Dass es dort, wie Cino geschrieben hat, nur eine kleine Gruppe gibt, die alle zusammen anfangen und aufhören, gefällt mir gut.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, sollte ich in dem Antrag nur auf die beruflichen Probleme eingehen. Da es eine berufliche Reha ist. ist das richtig ?

    Ich werde mir im Internet noch mal die anderen Kiniken anschauen. Aber im Grunde geht es mir schon um die Probleme, die ich momentan mit meiner Hörbehinderung auf der Arbeit habe.

    Lieben Gruß

  • Hi Simu,

    bei allen Unsicherheiten wegen der Antragstellung, würde ich mich direkt an Olaf Biemann, den sehr netten und engagierten Leiter in Rendsburg, wenden. Er wird dir sagen können, auf was es da ankommt, und dich sicher auch konkret bei der Formulierung unterstützen.

    Viele Grüße!

    Seit Anfang 20 progrediente, tieftonbetonte Schwerhörigkeit (ungeklärte Ursache), erst nur auf einem Ohr, mittlerweile beidseitig an Taubheit grenzend.

    Seit dem 24.6.19 links implantiert mit HiRes Ultra 3D von AB mit der SlimJ Elektrode, Sprachprozessor Naida Q90; rechts Hörgerät Naida link von Phonak.

  • Hallo Cino,

    danke für den Tipp. Kann ich dem Olaf Biemann meine berufliche Situation per Mail schildern und fragen, wie ich das formulieren soll ? Ich habe bisschen Angst, den armen Mann zuzutexten.

    Dann habe ich noch mal allgemein eine Frage an alle. Wie war das bei euch ? Musstest ihr Widerspruch einlegen oder habt ihr den Reha Antrag gleich beim 1. Versuch bewilligt bekommen ?

    Lieben Gruß

    Simu

  • Ich habe durch Intregationsamt die mir auch geholfen hat beim ausfüllen und über mein Physiologe beide haben mir auch bei der Auswahl geholfen. Und nach 4 jahre ging alles wie von selbst. Antag gestellt 3 Wochen später hatte ich die zusage ohne Probleme nur um die richtige Klinik musste ich kämpfen aber auch das ging dann klar.

  • Olaf Biemann freut sich, wenn er Dir helfen kann. Es kommt ihm ja auch zugute. Da brauchst Du keine Hemmungen zu haben - schöne Grüße von mir. Bei mir ging die Reha gleich durch - da es in Rendsburg v.a. um Kommunikation geht die im Berufsleben sehr wichtig und schwierig ist (Teamrunden, Seminare, Vorträge etc.) sehe ich keine Probleme und Du solltest Dich genau auf Deine spezifischen Probleme beziehen. Und selbst wenn die Reha nicht gleich durch geht, hilft O. Biemann gerne. Also schreibe ihm ruhig und schildere Deine Situation. Habe ich damals auch gemacht. Viel Erfolg!

  • Hi Simu,

    sehr gut, dass du Olaf Biemann angeschrieben hast - wie ich ihn kennengelernt habe, hilft er dir gern.

    Zu deiner Frage, ob die Reha gleich bewilligt wurde: Bei mir wurde die Reha beim ersten Versuch bewilligt, ohne dass ich Widerspruch einlegen musste. Die Rentenversicherung hat sich allerdings bei mir sehr viel Zeit gelassen, so dass es von der Antragsstellung bis zur Bewilligung einige Monate gedauert hat. Das muss aber wohl nicht immer so sein.

    Alles Gute!

    Seit Anfang 20 progrediente, tieftonbetonte Schwerhörigkeit (ungeklärte Ursache), erst nur auf einem Ohr, mittlerweile beidseitig an Taubheit grenzend.

    Seit dem 24.6.19 links implantiert mit HiRes Ultra 3D von AB mit der SlimJ Elektrode, Sprachprozessor Naida Q90; rechts Hörgerät Naida link von Phonak.

  • Hi Simu,

    du solltest in deinem Antrag, bzw. in einem beigefügten Schreiben unbedingt den Wunsch äußern ins Rehazentrum in Rendsburg zu gehen. Begründe dies damit, dass du diese Reha machen willst, damit du deinen Beruf weiter ausüben kannst und auf der Arbeit wieder volle Leistung bringen kannst. Schreibe, dass du dir im Vorfeld Infomaterial zukommen lassen hast und dir Rendsburg aufgrund des Konzeptes am meisten zusagt. Lege dem Schreiben auch einen Flyer vom Rehazentrum bei. So habe ich es gemacht und war schon 2 x in Rendsburg, was die Rentenversicherung schnell und problemlos durchgewunken hat.

    Viel Glück dabei

    Paula

  • Ich danke euch für die guten Ratschläge :)

    Die Idee mit dem Flyer ist gut. Das werde ich auf jeden Fall machen.

    Olaf Biemann hat mir auch schon geantwortet und meine Fragen beantwortet.

    Alexsandra , Cino, Paula

    Da es euch in Rendsburg so gut gefallen hat, möchte ich nun auch unbedingt dahin.

    Ich warte nun noch auf den Termin beim Hausarzt, damit der Arztbericht ausgefüllt werden kann.

    Liebe Grüße

  • Ich drücke dir fest die Daumen, dass es klappt! Rendsburg ist wirklich etwas ganz Besonderes.

    Seit Anfang 20 progrediente, tieftonbetonte Schwerhörigkeit (ungeklärte Ursache), erst nur auf einem Ohr, mittlerweile beidseitig an Taubheit grenzend.

    Seit dem 24.6.19 links implantiert mit HiRes Ultra 3D von AB mit der SlimJ Elektrode, Sprachprozessor Naida Q90; rechts Hörgerät Naida link von Phonak.

  • Ich wollte euch kurz auf den neuesten Stand bringen. Inzwischen war ich beim Hausarzt und der schreibt nun den Bericht. In der Klinik hatte ich auch von meinen Wunsch nach Reha berichtet und dort wurde der Oldenburger Satztest im Störschall mit mir gemacht. Mein Hausarzt wollte den noch anfügen, da man daran sehen kann, dass ich vor allem im Störschall Probleme mit dem Verstehen habe. Das entspricht ja meiner Arbeitssituation. Ich hoffe, dass ich den Rehaantrag dann bald abschicken kann.