Neues elektrisches Ohr von AB

  • Liebes Forum,


    nachdem mir die Beiträge hier im Vorfeld der CI-OP extrem geholfen haben und ich vor einiger Zeit auch schon einmal eine Frage gestellt hatte, will ich es jetzt gern nachholen, mich euch "ordentlich" vorzustellen und von meinen ersten Erfahrungen mit dem CI berichten.


    Ich bin 40, lebe in Berlin und arbeite im Bibliotheks- und Archivbereich. Schwerhörig bin ich seit ca. 15 Jahren, erst nur auf einem Ohr und vor allem im Tieftonbereich (was wohl nicht ganz so oft vorkommt). Irgendwann kam dann auch das zweite Ohr dazu, und ich habe alle Stadien der Schwerhörigkeit durchlaufen, von leicht bis zuletzt auf beiden Seiten an Taubheit grenzend. Von Anfang an war ich mit Hörgeräten versorgt (zuletzt mit Oticon Opn), womit ich aber nie richtig gut klar gekommen bin, weil das Sprachverständnis auch mit der sorgfältigsten Anpassung immer schlecht blieb.


    So habe ich mich vor einem Jahr, unter anderem mithilfe des Entscheidungsfindungsseminars in Bad Nauheim, dieses Forums und persönlicher Kontakte mit CI-Träger*innen für ein CI entschieden. Es hat etwas gedauert, bis ich den richtigen Zeitpunkt gefunden und mich für eine Klinik und einen Hersteller entschieden hatte, aber nun bin ich seit dem 24.6. auf meinem schlechteren Ohr mit dem HiRes Ultra 3D von AB mit der SlimJ Elektrode implantiert.


    Vor der OP war ich sehr aufgeregt, die Vorstellung, dass mein Kopf aufgeschnitten und mir ein "Fremdkörper" eingesetzt wird, fand ich schon sehr gruselig - da konnten auch die positivsten Erfahrungsberichte nichts dran ändern. Deshalb war es mir auch wichtig, den Operateur und die Audiologen vorher kennenlernen zu können. Ganz kurz vor der OP habe ich durch Zufall erfahren, dass nicht der vorgesehene Arzt, mit dem ich die Vorgespräche hatte, sondern ein anderer, über den ich nichts wusste, mich operieren sollte. Das hat mich ziemlich verunsichert, aber weil ich die OP nicht noch weiter aufschieben wollte, habe ich mich dann entschieden, es trotzdem "durchzuziehen". Zum Glück hatte ich die Möglichkeit, morgens vor der OP noch mit dem Operateur zu sprechen, ihn nach seiner Erfahrung zu befragen und zu besprechen, wo genau er plant, den Magneten zu platzieren. So konnte ich dann mit gutem Gefühl in die OP gehen - aber diese Ungewissheit vor der OP hätte ich nicht unbedingt gebraucht.


    Ansonsten habe ich aber fast durchweg positive Erfahrungen mit der Klinik gemacht, und der Operateur hat seine Arbeit offenbar sehr gut gemacht. Im Aufwachraum dachte ich zuerst, es sei noch gar nichts passiert, weil ich keinerlei Schmerzen hatte. Sofort nach dem Aufwachen habe ich ein Zitronen-Wassereis bekommen, um meinen Geschmackssinn zu testen, und ich war wahnsinnig erleichtert, dass es ganz normal schmeckte. Toll fand ich auch, dass ich bis zur Narkose mein Hörgerät auf der besseren Seite tragen konnte und auch mit Hörgerät wieder aufgewacht bin.


    Die ersten zwei Tage nach der OP habe ich mich gut gefühlt, Gesichts- und Geschmacksnerven waren unbeschadet und auch Schwindel hatte ich keinen. Etwas schlechter ging es mir dann ab dem dritten Tag. Weil sich ein Hämatom an der Magnetstelle gebildet hatte, musste ich den Kopfverband weiter tragen und bekam auch leichten Schwindel. Außerdem habe ich die Antibiotika ziemlich schlecht vertragen, davon war mir ständig übel. Allerdings war es auch extrem heiß, über 30 Grad, was einfach für den Kreislauf und die Wundheilung nicht so ideal war. So musste ich dann 5 statt die vorgesehenen 3 Tage in der Klinik bleiben und den Kopfverband bis nach dem Fädenziehen, eine Woche nach der OP, tragen.


    Ab dann ging es aufwärts, ich habe mich zwar noch sehr schwach gefühlt, aber der Schwindel wurde von Tag zu Tag weniger. Am meisten belastet hat mich in der Zeit das taube Gefühl am und um das implantierte Ohr herum. Ich konnte da zuerst gar nicht hinfassen, weil es sich so fremd, irgendwie "wie tot" angefühlt hat... Irgendwann habe ich mich aber doch getraut, ab und zu ins Ohr zu zwicken oder es ein bisschen zu massieren, und nach und nach kam dann auch das Gefühl zurück. Heute, drei Wochen nach der OP, fühlt sich nur noch die obere Hälfte des Ohres taub an.


    Zwei Wochen nach der OP war dann schon die Erstanpassung und seit einer Woche nun trage ich den Naida Q90. Ich hatte schon viel darüber gelesen, wie das CI nach der Aktivierung klingen kann, aber es war dann für mich doch ganz anders als erwartet. Immerhin konnte ich Sprache gleich einigermaßen verstehen, aber Stimmen (inklusive meiner eigenen) klangen alle gleich, außeridisch/robotermäßig, kamen leicht zeitversetzt bei mir an und wurden immer wieder von alles dominierendem Rauschen und Zischen übertönt. Mein Audiologe war trotzdem zufrieden mit mir, wohl, weil ich immerhin schon was verstehen konnte.


    Jetzt nach einer Woche und einer zweiten Einstellung ist das Rauschen und Zischen schon dezenter geworden (oder ich habe mich daran gewöhnt). Auch wenn mir dazu noch gar nicht unbedingt geraten wurde, übe ich jeden Tag ein bisschen mit der Asklepios-Hörtrainings-App, den langsam gesprochenen Nachrichten von der Deutschen Welle und dem Slow German Podcast. Da verstehe ich schon ziemlich gut, auch wenn die Sprecherstimmen noch robotermäßig klingen, im Alltag aber sind Unterhaltungen noch schwierig. Mit CI und Hörgerät höre ich alles doppelt, einmal "normal" und einmal elektrisch, was irritierend ist. Nur mit dem CI-Ohr klingt alles noch sehr fremd und Sprache geht oft im Rauschen und Zischen der Umgebungsgeräusche unter. Trotzdem versuche ich es ab und zu auch ohne das Hörgerät. Auch an Musik taste ich mich schon langsam ran - manches klingt tatsächlich schon ungefähr wie gewohnt, anderes einfach nur wie undefinierbarer Krach. Interessanterweise kommen tiefe Frequenzen besser an als hohe, das Piepen vom Wecker z.B. höre ich mit dem CI-Ohr überhaupt nicht. Mit meiner tieftonbetonten Schwerhörigkeit war das bisher immer anders herum, ich konnte z.B. Frauen sehr viel besser verstehen als Männer und auch mit Vogelzwitschern hatte ich keine Probleme.


    So viel zu meinen Erfahrungen mit dem CI bis jetzt. Ich bin gespannt, was noch alles kommt und freue mich auf den Austausch hier mit euch.

    Schönen Abend noch!

    Cino

    Seit Anfang 20 progrediente, tieftonbetonte Schwerhörigkeit (ungeklärte Ursache), erst nur auf einem Ohr, mittlerweile beidseitig an Taubheit grenzend.

    Seit dem 24.6.19 links implantiert mit HiRes Ultra 3D von AB mit der SlimJ Elektrode, Sprachprozessor Naida Q90; rechts Hörgerät Naida link von Phonak.

    Edited once, last by Cino ().

  • Willkommen bei uns Blechohren! :)


    Dann hattest Du schon bei der Erstanpassung schon einen recht guten Start. Glückwunsch dazu! Die "Mickey Mouse" wird im Laufe der weiteren Einstellungen weniger und irgendwann isse janz wech....

  • Wohl in diesem Fall wohl eher "Robby Roboter" ^^




    Auch von mir ein Herzlich Willkommen hier!

    Schön, daß sowohl die OP als auch die EA so erfolgreich verlaufen ist. :thumbup:


    Jetzt heißt es einfach nur lauschen!

    Sei neugierig, aber übertreibe nicht! ;)

    Freut mich zu lesen, daß es offensichtlich auch mit Musik schon etwas klappt! Das ist ja, neben Hören im Störgeräusch und Telefonieren ja die Königsdisziplin!


    Ich hatte anfangs auch einen leichten Roboter Klang gehabt.

    Jetzt klingt es total natürlich.

    Man muß halt einfach nur sich berieseln und das Gehirn seine Arbeit machen lassen, dann kommt alles mit seiner Zeit.



    Schönen Gruß

    Sheltie

  • Von mir auch ein "Herzlich Willkommen"


    Glückwunsch zur gelungenen OP.

    Ja, jetzt beginnt deine persönliche "Hörreise" mit vielen schönen Erlebnissen und jedemenge Aha-Erlebnissen. Leider werden auch Phasen kommen, wo man verzweifelt und die Implantation in Frage stellt - lass dir gesagt sein: Diese Phasen verschwinden und du wirst glüchlich mit deiner neu gewonnenen Hörfähigkeit.

    Roboter, Mikey Mouse und Konsorten werden mit der Zeit zu schöne und nuancenreichen Stimmen und Töne. Musik mit Gesang wird noch ne weile als Matsch bleiben und selbst das Telefonieren wird eine Weile schwierig, aber alles wird sich zum Guten Wenden und du wirst die Welt mit neuen Ohren hören :):love:

  • Danke für eure Willkommensgrüße und ermutigenden Worte!

    Bei mir ist wohl tatsächlich eher Robby Robot als die gute alte Micky Maus am Steuer, aber wer weiß, vielleicht kommen die Mäuse auch noch... Stelle ich mir eigentlich ganz lustig vor!

    Musik klingt noch wie die Sendersuche beim Radio, aber ich bin ja schon begeistert, dass zumindest ab und zu etwas Erkennbares bei mir ankommt. Und bei Unterhaltungen verstehe ich inzwischen tatsächlich schon etwas besser als nur mit den Hörgeräten - CI und Hörgerät ergänzen sich ganz gut. Bin sehr gespannt, wie es dann mit dem koppelbaren Naida Link-Hörgerät wird, das ich irgendwann in den nächsten Wochen hoffentlich ausprobieren kann.

    Viele Grüße an alle!

    Seit Anfang 20 progrediente, tieftonbetonte Schwerhörigkeit (ungeklärte Ursache), erst nur auf einem Ohr, mittlerweile beidseitig an Taubheit grenzend.

    Seit dem 24.6.19 links implantiert mit HiRes Ultra 3D von AB mit der SlimJ Elektrode, Sprachprozessor Naida Q90; rechts Hörgerät Naida link von Phonak.