Welcher CI-Anbieter? Die Qual der Wahl...

  • Stimmt, Norbert. Mit der Mikrofonanzahl hat das nichts zu tun, die wichtigste Voraussetzung ist ein nahezu ausbalancierter Hör-Input beider Seiten.


    Wenn sich schon Richtungshören eingestellt hat, kann man das auch selbst kontrollieren: Eines der CIs etwas leiser gemacht (oder lauter als das andere) - schon ist es mit dem Richtungshören vorbei.


    Bei mir hat das Richtungshören nach ca. 3 Jahren beidseitigem CI-Tragen angefangen, zu funktionieren, und das wird seitdem - wenn auch sehr langsam - immer besser. Das klappt allerdings auch nicht bei allen Bedingungen, aber insgesamt ist das schon ok. für die Zeit seither. Am deutlichsten merke ich das in der freien Natur, da funktioniert das am besten. Dort, wo wenig Störanteile wie Raumhall(-Reflektionen), oder sonstige Störquellen vorhanden sind. In diesen Störschall-Fällen ist das bei mir wesentlich schwieriger mit dem Richtungshören. Aber ich denke, unser Gehirn - ist es erst einmal richtungshörmässig in der Spur - hat da mit entsprechendem Training (was ja auch permanent im Alltag stattfindet) noch manch Luft nach oben.


    Die Mikrofone kommen dann ins Spiel, wenn man beispielsweise die nach vorne gerichteten Mikrofone als Richtmikrofone angepasst hat. Das erleichtert die Kommunikation im Störschall, aber das hat nichts mit Richtungshören zu tun.

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


    ____________________________________


    Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.

  • tele-nobbi

    Du meinst mit Richtungshören jetzt das orientieren/orten im Raum - das funktioniert nur mit zwei Ohren.

    Wenn ich oben von "gezieltem Richtungshören (Ultrazoom)" schrieb, dann geht es mir um die "Fokussierung auf von vorne kommende Sprecherstimmen" (Zitat AB Technische Spezifikationen Nadia Q90). Dies wird u.a. durch Mehr-Mikrofon-Technik ermöglicht.

  • ...und ich dachte, ich hätte endlich die Funktion der Mikros begriffen:rolleyes:

    Mit meiner Wahl von AB bin ich sehr zufrieden u.a. weil ich den SP und die Spule überhaupt nicht spüre. Anatomisch passt der SP genau hinter meiner Ohrmuschel. Es wackelt nichts, rutscht oder scheuert wund. Die Spule kann ich nach Lust und Laune unter oder über das Haar tragen und sie hält. Der Akuwechsel erfordert keine Feinmotorik.
    Ausserdem scheinen mir die beiden Teile ziemlich robust zu sein, verglichen mit den Phonak HG.
    Gruss Flocke

    Wer durch des Argwohn Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut. (Wilhelm Busch)



    schleichende, an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit seid 40 Jahren, beids.
    rechts:AB High Res Ultra CI HighFokus, Naida CI Q90, OP 04/2017, EA 05/2017
    Links: AB High Res Ultra CI HighFokus, Naida CI Q90, OP 05/2018, EA 06/2018
    BWZK Koblenz.

  • Zum Richtungshören:


    in der CROS-Studie, in der ich teilnahm, wurde auch das Richtungshören mit einem CI getestet. Es funktioniert definitiv! Allerdings nur, wenn die Schallquelle auf der versorgten Seite ist, maximal jedoch auf der 1 Uhr oder 11 Uhr Position (12 Uhr ist vorne). Im Schattenbereich funktioniert das Richtungshören sehr schlecht bis nicht mehr. Ich sass vor 7 Lautsprecher, die von 9 Uhr über 12 Uhr bis 3 Uhr stundenweise (15° versetzt) platziert waren. Kam der Ton von der versorgten Seite, konnte ich die Position relativ gut bestimmen, auf der unversorgten Seite hörte ich zwar was, konnte dann aber anhand der Lautstärke nur raten.

    Das das Ergebnis dennoch ziemlich schlecht war, war dem Umstand geschuldet, dass die Töne jeweils aus einem der 7 Lautsprecher kamen. Eine Unterscheidung zwischen rechts und links ist nicht gegeben, auch nicht mit einem CROS-Gerät.


    Eine akustische Triangulation ist erst mit zwei Mikrofonen möglich. Das dritte Mikrofon ermöglicht die Bestimmung der Höhe. Mehr Mikrofone liefern in der Regel keinen Mehrwert, außer im Aufwand. Dies ist das Prinzip der Trigonometrie und darauf basiert die Technik.


    Mit zwei Ohren kann man erkennen, woher der Schall kommt, und zwar an der Laufzeitdifferenz, wie ihr richtig beschreibt. Aber: das funktioniert nur in einem gewissen Frequenzbereich und dazu auch nur grob. Nehmen wir als Beispiel der Schall, der von links kommt. Liegt die Quelle im Bereich zwischen 7 Uhr und 11 Uhr, kann man aufgrund des Schallschattens durch den Kopf je nach Lautstärke oder Frequenz entweder nur leise oder gar nicht wahrnehmen (besonders bei tiefen Tönen wegen ihrer Wellenlänge) und damit wäre hier das Richtungshören nicht mehr gegeben. Dass eine Richtungsbestimmung dennoch möglich ist, liegt an der Ohrmuschel.

    Die Ohrmuschel bearbeitet den Ton bereits im Vorfeld, bevor er ans Trommelfell oder ans T-Mic gelangt. Der Ton wird in ihre Frequenzen und Laufzeiten sauber zerlegt weitergeleitet, im Prinzip ein Spektrumanalysator. Genau diesen Salat aus manipulierten und zerlegten Tönen kann das Gehirn entsprechend verarbeiten und die Richtung bestimmen und das trotz verschiedener Frequenzen (die Mechanik beeinflusst die Töne in jeweiligen Frequenzen unterschiedlich).


    Grob gesehen kann man das Ohr technisch wie gefolgt aufteilen:

    - Ohrmuschel: Multimikrofon (3 Mikrofone in einem), Spektrumanalysator

    - Hammer, Amboss, Steigbügel: Verstärkerstufe

    - Schnecke: Analog-Digital-Wandler (A/D-Wandler)


    Damit man mit Soundprozessoren und Hörgeräten wenigstens das Richtungshören hat, sind hier zwei Mikros nötig. Eines ist ein Omnidirektionalmikrofon und das andere ein Richtmikrofon (nach vorne gerichtet). Einzig die Fähigkeit eines Spektrumanalysator fällt weg, außer bei Trägern mit T-Mic und Im-Ohr-Hörgeräten, da sie technisch viel zu aufwendig ist.



    So langsam sollte man hier zum Thema des Threaderstellers zurückkommen. Wenn für Richtungshören Diskussionsbedarf besteht, sollte man dies in einen eigenen Beitrag ausgliedern.



    Herzliche Grüße,
    Bernd



    P.S.

    Anbei der Link zum Hören mit den Ohren:

    https://www.dasgehirn.info/wah…en/vom-schall-zur-deutung

    Links: CI - HiRes 90K Advantage Med Scale - 21.10.2015 / EA: 23.11.2015 - Naida CI Q90 (Upgrade 11.10.2016)
    Rechts: CI - HiRes 90K Advantage Med Scale - 02.09.2016 / EA: 10.10.2016 - Naida CI Q90
    Uni-Klinik Freiburg

    Einmal editiert, zuletzt von BerLin71 ()

  • Moin,



    in der CROS-Studie, in der ich teilnahm, wurde auch das Richtungshören mit einem CI getestet. Es funktioniert definitiv! Allerdings nur, wenn die Schallquelle auf der versorgten Seite ist, maximal jedoch auf der 1 Uhr oder 11 Uhr Position (12 Uhr ist vorne). Im Schattenbereich funktioniert das Richtungshören sehr schlecht bis nicht mehr. Ich sass vor 7 Lautsprecher, die von 9 Uhr über 12 Uhr bis 3 Uhr stundenweise (15° versetzt) platziert waren. Kam der Ton von der versorgten Seite, konnte ich die Position relativ gut bestimmen, auf der unversorgten Seite hörte ich zwar was, konnte dann aber anhand der Lautstärke nur raten.

    Was soll das beweisen, oder anders gefragt, wie alltagstauglich ist das?



    Eine akustische Triangulation ist erst mit zwei Mikrofonen möglich. Das dritte Mikrofon ermöglicht die Bestimmung der Höhe. Mehr Mikrofone liefern in der Regel keinen Mehrwert, außer im Aufwand. Dies ist das Prinzip der Trigonometrie und darauf basiert die Technik.

    Ich begreife immer noch nicht, wie Du mit 2 oder mehr Mikrophonen den einen Kanal/die eine Auswerteeinheit (meinetwegen das linke Ohr) dazu bringen kannst, eine Richtung zu erkennen, weder links/rechts, noch oben unten, noch vorne hinten, ohne die Referenz eines zweiten Kanals


    Mit zwei Ohren kann man erkennen, woher der Schall kommt, und zwar an der Laufzeitdifferenz, wie ihr richtig beschreibt. Aber: das funktioniert nur in einem gewissen Frequenzbereich und dazu auch nur grob

    Dass Bässe nicht zu orten sind macht man sich im Stereo HiFi-Bereich zu Nutze, indem man kleine Satellitenlautsprecher mit Mittel/Hochton-Systemen so im Raum verteilt, dass ein Stereoeffekt entsteht. Die nehmen nicht viel Platz weg, und können u.U.auch im Regal platziert werden. Den großen Basswürfel (Einen!) versteckt man irgendwo im Raum, wo dann niemand drüber stolpern kann. Das ist nun mal so, und meist genügte unseren "Urmenschen" das möglich Richtungshören in den mittleren Frequenzen. Wer einem Brumbär über den Weg gelaufen ist, hatte halt Pech

    (besonders bei tiefen Tönen wegen ihrer Wellenlänge) und damit wäre hier das Richtungshören nicht mehr gegeben. Dass eine Richtungsbestimmung dennoch möglich ist, liegt an der Ohrmuschel.

    ...nein, auch bei beidseitig Hörenden ist im Tieftonbereich kein Richtungshören möglich. Deshalb ist man ja auf die obige Möglichkeit gekommen, um den Musikgenuss zu optimieren, ohne große Lautsprecherboxen im Raum verteilen zu müssen. Das Ergebnis lässt sich übrigens "gut hören"

    Damit man mit Soundprozessoren und Hörgeräten wenigstens das Richtungshören hat, sind hier zwei Mikros nötig. Eines ist ein Omnidirektionalmikrofon und das andere ein Richtmikrofon (nach vorne gerichtet). Einzig die Fähigkeit eines Spektrumanalysator fällt weg, außer bei Trägern mit T-Mic und Im-Ohr-Hörgeräten, da sie technisch viel zu aufwendig ist.


    Mit 2 oder mehr Mikros an einem Gerät fängst Du nichts an. Wenn, dann im Zusammenspiel mit der anderen Seite, dem anderen Ohr. Dann machts Sinn mit einem Programm, dass das Hören nach vorne ausrichtet. Alles andere bringt gar nichts


    LG Konrad

    links: CI - HiRes 90K Advantage Mid Scale - 17.03.16 / EA: 14.04.16 - Naida CI Q90


    rechts: "normal" hörend