GdB 20 bei einseitiger Taubheit - bietet jemand mehr? ;-) Oder: lohnt sich ein Widerspruch?

  • Hallo zusammen,


    meine Tochter (2 Jahre) ist auf einem Ohr taub, auf dem anderen Ohr hört sie normal. Vor kurzem wurde ein CI implantiert und sie kommt gut damit zurecht.


    Uns wurde geraten, einen Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen (was wir auch getan haben) und im Zweifelsfall nochmal Widerspruch einzulegen. Jetzt wurde GdB 20 festgelegt, und wir sind noch am überlegen ob wir Widerspruch einlegen sollen. Wahrscheinlich werden wir es einfach mal versuchen, mehr als ablehnen geht ja nicht. Dass die Erfolgsaussichten nicht so groß sind und GdB 20 Standard ist hab ich schon gehört. Daher meine Frage: gibt es jemanden bei dem aufgrund der einseitigen Taubheit mehr als GdB 20 anerkannt wurde? Es wäre schön, wenn ihr mir von euren Erfahrungen berichten würdet :)


    Übrigens möchten wir nichts was uns nicht zusteht - wenn es bei 20 bleibt ist das auch ok. Bis jetzt merkt man der Kleinen auch kaum was an - abgesehen von eingeschränkten Richtungshören - und das ist auch gut so:) Irgendwelche Beschwerden wollen wir ihr auf keinen Fall andichten.


    Danke und liebe Grüße

    Nana

  • Hallo Nana!


    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache, wenn sonst keine weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorliegen ist der Wert wahrscheinlich korrekt. Im meinem Bekanntenkreis ist eine CI Trägerin (Ende 50), einseitig ertaubt sonst keine gesundheitlichen Beschwerden, ihr wurden ebenfalls "nur" GdB 20 zugesprochen. Durch die Implantation ist ja die eigentliche Behinderung ja behoben worden. Zu berücksichtigen ist natürlich bei CI Implantationen, dass die Implantate ausfallen können bzw. durch andere Erkrankungen nicht mehr nutzbar sind.


    Deiner Tochter alles Gute für Ihren HÖRweg.


    Mit lieben Grüßen

    Thomas

  • Es ist genauso, wie Martina es schreibt! Die eigentliche Hörbehinderung bleibt und somit ändert sich auch nichts an der Diagnose bei Bewertung ohne das "entscheidende" Hilfsmittel, in diesem Fall der Soundprozessor.... Es ist ein gewaltiger Unterschied in der Bewertung der Auswirkungen der Behinderung ohne oder mit Hilfsmittel.


    Ich empfehle, Widerspruch einzulegen; zu mal bei Kindern die Auswirkungen oft unterbewertet werden, weil diese sich ja nicht so dazu äußern können. Da kommen den Aussagen der Eltern ein größeres Gewicht zu. Man darf sogar zur Fristwahrung auch ohne Begründung widersprechen und reicht die Begründung später nach, nachdem sich externen Rat - z. B. Rechtsberatung des VdK - eingeholt hat....


    Bei Störungen in der Sprachentwicklung vor dem 7. Lebensjahr kann es sein, dass möglicherweise ein Anspruch auf das Merkmal "Gl" für Gehörlos bestehen konnte. Kämpfen lohnt sich, auch wenn es manchmal aussichtslos erscheint.



    Durch die Implantation ist ja die eigentliche Behinderung ja behoben worden.

    Das stimmt so nicht! Dann dürfte nach Deiner Intention ein Beinamputierter im Rollstuhl auch nicht mehr als behindert gelten ....? Merkst Du gar nicht, wie sehr Du mit Deiner Äußerung unserer"neo-liberalen" Regierung noch krudere Tipps gibst?

  • Moin,


    Uns wurde geraten, einen Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen (was wir auch getan haben) und im Zweifelsfall nochmal Widerspruch einzulegen. Jetzt wurde GdB 20 festgelegt

    Ich frage mich, was da Sinn und Zweck sein soll? Wird Deine Tochter dann gezielt gefördert, oder ist das reiner "Papierkram"? So wie ich Dich verstehe, entwickelt sich Deine Tochter mit dem gesunden Ohr und dem CI prächtig. Außer zusätzlich(!) regelmäßigen Kontrollen beim HNO und ev.logopädischer Begleitung, die Dir Dein HNO verschreibt kannst Du kaum was tun.

    Natürlich ist ein taubes Ohr eine Behinderung, allerdings ist die Argumentation die, dass man "einohrig" durchaus durchs Leben kommen kann. Ein GDB von 20 ist dafür nach meiner Information vorgesehen.


    Vllt.schreibst Du, was Du für Dein Kind mit einem GDB von >= 50 (vorher lohnt sich's eh nicht) an Vorteilen erwartest. Vor Allem: Warum wurde Dir dazu geraten?


    Euch alles Gute und freue Dich an der Entwicklung Deiner Tochter


    LG Konrad

    links: CI - HiRes 90K Advantage Mid Scale - 17.03.16 / EA: 14.04.16 - Naida CI Q90


    rechts: "normal" hörend

  • Natürlich ist ein taubes Ohr eine Behinderung, allerdings ist die Argumentation die, dass man "einohrig" durchaus durchs Leben kommen kann. Ein GDB von 20 ist dafür nach meiner Information vorgesehen.

    Ich bin einohrig paar Jahre durchs Leben gegangen, auch durch Berufsleben, und sage dazu, es ist ein ziemlich schweres Vorwärtskommen, und manchmal kommt man nicht vom Fleck weg.

    rechts: CI seit Sept. 2013, trage Opus 2XS (sehr gern)+ Rondo (weniger gern)
    links: Schwerhörigkeit bei Otosklerose, HG von Phonak

  • Naja, ich bin auch 40 Jahre einohrig unterwegs gewesen. Jetzt mit zwei CIs weiß ich erst, was ich versäumt habe, und um wie viel schwerer es ist, das langzeittaube „Ohr“ wieder in die Gänge zu bekommen.


    Einen Antrag zu stellen ist nicht verkehrt, so kann man im Falle einer Verschlechterung einen Verschlimmerungsantrag stellen, man hat sozusagen einen „Fuß in der Türe“.

    Gruss, Rainer.


    Beidseitig versorgt mit: Med-El (Flex 28 im Schneckle, aussen jeweils Sonnet, vormals Rondo)


    ____________________________________


    Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.

  • Hallo Lucy,


    Natürlich ist ein taubes Ohr eine Behinderung, allerdings ist die Argumentation die, dass man "einohrig" durchaus durchs Leben kommen kann. Ein GDB von 20 ist dafür nach meiner Information vorgesehen.


    Ich bin einohrig paar Jahre durchs Leben gegangen, auch durch Berufsleben, und sage dazu, es ist ein ziemlich schweres Vorwärtskommen, und manchmal kommt man nicht vom Fleck weg.


    Die "Argumentation" bezog sich nicht auf meine Meinung, sondern auf das, was die entsprechenden Stellen draus machen. Einohrig bin ich ja selber, und weiß von den entsprechenden Erschwernissen.


    Vll.habe ich mich aber auch missverständlich ausgedrückt


    LG Konrad

    links: CI - HiRes 90K Advantage Mid Scale - 17.03.16 / EA: 14.04.16 - Naida CI Q90


    rechts: "normal" hörend

  • Wenn man dem Landesamt für Soziales hier in Niedersachsen glaubt, habe ich selbst mit beidseitiger Taubheit nur einen GdB von 50 ;)


    LG

    Sunny

    ab 15. Lebensjahr progressiver Hörverlust ohne Befund
    Mi1200 SYNCHRONY von MED-EL
    links: Rondo, OP am 20.10.2017, EA 14.11.2017
    rechts: Sonnet, OP 02.02.2016 EA 21.03.2016

  • Hallo Sunny97,

    Ich kann nur raten beim Versorgungsamt einen Änderungsantrag zu stellen. Beidseitig taub begründet einen GdB von 80. Das stand auch in der Schnecke.

    Und das möglichst bald, da es durchaus kommen kann, dass man die Hörfähigkeit mit CI zu Grunde legt.

    Die Bemessung soll diesbezüglich in absehbarer Zeit geändert werden.

    Man wird dann sicher nicht alle bestehenden Bescheide zurück nehmen.

  • Hallo Anja,


    von der möglichen Neuregelung weiß ich (wobei die schon seit 3 Jahren bald kommen soll). Das war einer der Hauptgründe, warum ich es mit meiner zweiten OP so eilig hatte. Meinen Verschlimmerungsantrag habe ich dann auch im Februar gestellt und um GdB 80 sowie Merkzeichen GL gebeten. Letzte Woche habe ich den Bescheid erhalten, dass sich meine Gesundheitsverhältnisse nicht verändert haben und mein GdB 50 immer noch korrekt sei.

    Den freien Tag heute nutze ich deshalb u. a. dafür einen ausführlichen Widerspruch zu schreiben, in dem ich die Arbeit vom Landesamt mache und denen vorrechne, was sie hätten rechnen sollen (Grafiken zum besseren Verständnis inklusive). Die wissen halt nicht, dass ich mit Widerspruchsbearbeitung mein Geld verdiene und auch meine Krankenkasse sowie die Agentur für Arbeit schon mal ohne Anwalt verklagt habe ;)


    LG

    Sunny

    ab 15. Lebensjahr progressiver Hörverlust ohne Befund
    Mi1200 SYNCHRONY von MED-EL
    links: Rondo, OP am 20.10.2017, EA 14.11.2017
    rechts: Sonnet, OP 02.02.2016 EA 21.03.2016

  • Danke euch :) Ich glaube wir versuchen das einfach mal mit dem Widerspruch- auch wenn die Erfolgsaussichten ja wohl nicht so hoch sind. Auf 50 und Merkzeichen hoffen wir auch gar nicht, das wäre wohl utopisch, aber 30 wäre schon schön, zumindest steuerlich hätte man ja da wohl was von.

    Ich hoffe einfach auf einen kleinen Nachteilsausgleich - eingeschränkt ist sie ja nun mal. Und nach allem was ich in der letzten Zeit in Erfahrung gebracht habe ist die einseitige Taubheit ja auch keine Kleinigkeit, daher haben wir uns ja auch für das CI entschieden.


    Wenn ich richtig informiert bin zahlen die Krankenkassen das CI bei einseitiger Taubheit ja auch noch nicht so ewig lange - es wird ja auch einen handfesten Grund dafür geben das die Kassen das jetzt anders handhaben? Irgendeine Studie vielleicht?

  • Hallo Nana,


    würde mich interessieren, ob Ihr einen höheren GdB bekommt. Allerdings ist der steuerliche Vorteil eher gering. Ein Steuerfreibetrag von 310...570€ bei einem GdB von 25...50 (Quelle: https://www.schwerbehindertena…-fuer-die-einkommensteuer ist im Ergebnis schon überschaubar. Versprich Dir nicht zu viel davon.


    Wenn ich richtig informiert bin zahlen die Krankenkassen das CI bei einseitiger Taubheit ja auch noch nicht so ewig lange - es wird ja auch einen handfesten Grund dafür geben das die Kassen das jetzt anders handhaben? Irgendeine Studie vielleicht?

    Lieber nicht nachfragen. Sind wir doch froh, dass es mittlerweile so gehandhabt wird.


    LG Konrad

    links: CI - HiRes 90K Advantage Mid Scale - 17.03.16 / EA: 14.04.16 - Naida CI Q90


    rechts: "normal" hörend

  • Ich bin auch einseitig ertaubt. Also 20 Prozent. Deshalb habe ich den Antrag auch erst gar nicht gestellt. Leider hatte man mich vorher komplett anders beraten und mir empfohlen in den VDK einzutreten. Damit ich eventuell rechtlichen Beistand bei einem Widerspruch hätte. Ist aber alles ziemlich unwahrscheinlich,daß es für die halbseitige Ertaubung mehr gibt.

  • Wenn ich richtig informiert bin zahlen die Krankenkassen das CI bei einseitiger Taubheit ja auch noch nicht so ewig lange - es wird ja auch einen handfesten Grund dafür geben das die Kassen das jetzt anders handhaben? Irgendeine Studie vielleicht?

    Krankenkassen übernehmen bei einseitiger Ertaubung inzwischen die Kosten für ein CI, weil es entsprechende Gerichtsurteile gibt, soweit ich weiß. Ein konkretes Urteil kann ich nicht benennen, aber es ist auch meine persönliche Erfahrung, dass Krankenkassen die Kostenübernahme für manches so lange verweigern, bis es Rechtsprechung gibt, die eindeutig besagt, dass die Ablehnung nicht rechtens ist.


    LG

    Sunny

    ab 15. Lebensjahr progressiver Hörverlust ohne Befund
    Mi1200 SYNCHRONY von MED-EL
    links: Rondo, OP am 20.10.2017, EA 14.11.2017
    rechts: Sonnet, OP 02.02.2016 EA 21.03.2016

  • Ich werde berichten was dabei rauskommt. Selbst wenn wir nur einen winzigen Steuervorteil bekommen sollten wäre das ja schon was.


    Bei der Kasse werde ich auch nicht fragen 8) aber wäre trotzdem interessant zu wissen, alleine schon für die Widerspruchsbegründung ;)

  • GdB von 10% ? Oder was meinst du? Oder 10 € ??? 8)


    Gruß Norbert

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich
    rechts: HG (zu nichts nutze...)
    --------------------------------
    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...


    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...