Stellungnahme Bestager

  • Damit ich keinen anderen Thread vollmülle, hier meine Meinung zu der Sache in dem anderen Thread.


    Ich habe in der Tat ein Problem mit dem öffentlichen Dienst.
    Nicht mit den Personen und schon gar nicht mit den Schwerbehinderten dort.
    Ich empfehle sogar jedem Schwerbehinderten, in den öffentlichen Dienst zu gehen, wenn er die Möglichkeit hat.
    Mein Problem ist, dass ich dieses System der Verbeamtung, der Klassengesellschaft, nicht akzeptiere.
    Für was brauchen wir Beamte in nichthoheitlichen Bereichen ?
    Warum muß im Rathaus jemand verbeamtet sein ?
    Dass die einen Hörbehinderten die Steuern mitbezahlen müsssen, die jederzeit auf Hartz4 fallen können, nachdem sie ihr Vermögen verbraucht haben, wenn sie ihren Job verlieren.
    In Armut leben müssen, während sich der verbeamtete Teil der Hörbehinderten jederzeit in Frühpension retten kann und immer noch ein auskömmliches Gehalt erhält.
    Dazu dann noch der Klassenunterschied bei der Krankenversorgung.
    Das ist ein hochgradig ungerechtes System in dem wir leben.


    Ich habe selbst mehrere Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet, mein ältester Sohn arbeitet inzwischen über 10 Jahre im gehobenen Dienst.
    Ich war Angestellter, das war damals eine Notlösung, da ich unterhaltspflichtig für 2 Kinder war und das Jugendamt im Nacken hatte, denen war meine Hörbehinderung auch total egal.
    Dort habe ich so wenig verdient, dass ich den Unterhalt nicht voll zahlen konnte, daher mußte ich mich beruflich umorientieren.
    Ich habe einige Verwandtschaft, die bereits mit 50 Jahren kerngesund frühpensioniert wurde.
    Die besitzen dann auch noch die Frecheheit mich zu fragen, warum ich mit meiner schweren Behinderung noch arbeite, verwöhntes, total weltfremdes Volk !
    Die stelle ich dann zwar jedes mal in den Senkel, dass das bei DRV versicherten nicht so einfach funktioniert wie bei ihnen, das geht aber bei denen auf der einen Seite rein und auf der anderen wieder raus.
    Also ich weiß schon von was ich schreibe.
    Und weiß daher auch, dass dort bei weitem nicht die Leistung erbracht werden muß, wie in der Wirtschaft.
    Viele sind dort vorrangig mit ihrem privaten Kram den ganzen Tag beschäftigt.
    Daher kommen Leute im öffentlichen Dienst mit ihrer Hörbehinderung wesentlich besser zurecht, als Leute in der freien Wirtschaft, denn da wird kaum auf die Personen, dessen Behinderung Rücksicht genommen.
    Viele arbeitenden Hörbehinderte in der Wirtschaft, müssen jeden Tag um ihre Existenz kämpfen und dass sie nicht ihren Arbeitsplatz verlieren.
    Ich werde jedenfalls immer schreiben und sagen was ich denke und mir niemals den Mund verbieten lassen.
    Das Aussitzen, Schweigen und Nichtstun, überlasse ich Anderen.


    So, das wird hiermit auch ein Abschied für einige Zeit sein.
    Da meine ganze Abteilung nach Nord-China abwandert, in Deutschland im Zuge Industrie 4.0 dicht gemacht wird, gehe ich 2018 mit.
    Bzw. wir fliegen aus steuerlichen Gründen schon nächsten Monat ab.
    Ich habe inzwischen den Vertrag meines Arbeitgebers in Deutschland gekündigt und den chinesischen unterschrieben.
    Da das im Norden eine Sonderwirtschaftszone ist, ist da für mich und meine älteren Kollegen, die noch dabei sind, alles steuerfrei, das Brutto gibts als Netto.
    Auch die Abfindung Ende 2018 ist steuerfrei, da wir uns alle in Deutschland abmelden.
    Das ist mir recht, da ich das ungerechte Steuer und Sozialabgaben-System in Deutschland eh ablehne.
    Weil immer die Gleichen zahlen und immer die Gleichen nur Kassieren.
    Eigentlich braucht mein Arbeitgeber uns gar nicht mehr und hätte uns auch alle feuern können, das ist ein Entgegenkommen an uns als langjährig beschäftigte.
    Damit wir bis zur Rente überleben.
    Daher bin ich den Deal eingegangen und gehe mit nach China.
    Das Geld muß mir dann ab 2019 für mindestens 7 Jahre reichen, bis ich die frühestmögliche Altersrente bekomme.
    Mal schauen, vielleicht gefällt es mir dort und dann kommt meine Frau nach oder was wir auch immer ab dann treiben.
    Sie arbeitet in Deutschland examiniert in der Pflege, 3 Schichten, bei mieser Bezahlung und hat die Nase ebenso inzwischen gestrichen voll.


    Daher werde ich keine PNs die nächste Zeit, Monate mehr beantworten können.
    Denn wir sind schon in einem sehr frühen Stadium dort und werden, so wie es aussieht, auch kein Internet haben.
    Ich lass mich mal überraschen.
    Also, haltet die Ohren steif !

    Gruß Bestager


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    Links seit 2/2006 Implantat, seit 6/2018 N7
    Rechts seit 5/2012 Implantat, seit 6/2018 N7
    Reimplantiert, Tinnitus

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    Privatier, lebe bis zur Schwerbehinderten-Armutsrente der DRV von gespartem

    Edited once, last by bestager ().


  • Ich habe in der Tat ein Problem mit dem öffentlichen Dienst.


    Nach dem Lesen deines Beitrags ist diese Aussage falsch. Du hast nicht ein Problem mit dem öffentlichen Dienst, sondern mit dem Konzept der Verbeamtung!

    Quote


    Dort habe ich so wenig verdient, dass ich den Unterhalt nicht voll zahlen konnte, daher mußte ich mich beruflich umorientieren.


    Durchschnittlich verdienen Angestellte im öffentlichen Dienst ca. 10% weniger als in der Wirtschaft. Das ist heute immer noch so!


    Quote


    Also ich weiß schon von was ich schreibe.
    Und weiß daher auch, dass dort bei weitem nicht die Leistung erbracht werden muß, wie in der Wirtschaft.
    Viele sind dort vorrangig mit ihrem privaten Kram den ganzen Tag beschäftigt.
    Daher kommen Leute im öffentlichen Dienst mit ihrer Hörbehinderung wesentlich besser zurecht, als Leute in der freien Wirtschaft, denn da wird kaum auf die Personen, dessen Behinderung Rücksicht genommen.


    Scheinbar weisst du nicht, wovon du schreibst. Ich selbst arbeite als Angestellte im öffentlichen Dienst. Zeit, mich primär um meinen privaten Kram zu kümmern, habe ich definitiv nicht. Ich mache gelegentlich eine 5-Min Pause -- wie z.B. jetzt -- um diesen Beitrag zu verfassen.


    Quote


    Viele arbeitenden Hörbehinderte in der Wirtschaft, müssen jeden Tag um ihre Existenz kämpfen und dass sie nicht ihren Arbeitsplatz verlieren.


    Ach, die im öffentlichen Dienst tätigen nicht? Ich bekomme z.B. nur Jahresverträge. Jedes Jahr neue Anträge stellen, Drittmittel einholen und hoffen, doch noch ein weiters Jahr beschäftigt zu werden. Und wenn nicht? Tja, dann stehe ich arbeitslos auf der Strasse. Denn auch für behinderte Angestellte im öffentlichen Dienst gibt es in so einem Fall kein Kündigungsschutz... denn die Verträge werden ja nicht gekündigt, sondern laufen schlicht und einfach aus.


    Quote


    Ich werde jedenfalls immer schreiben und sagen was ich denke und mir niemals den Mund verbieten lassen.
    Das Aussitzen, Schweigen und Nichtstun, überlasse ich Anderen.


    Das ist dein gutes Recht.. ich habe nur ein Problem damit, wenn jemand (egal wer) so ein Schwachfug wie da oben schreibt und alle Personen im öffentlichen Dienst -- egal, ob Angestellte oder Beamte, durch den Dreck zieht.



    Es ist doch super, wenn dir so ein Angebot gemacht wird und dir das auch so zusagt.
    Ich wünsche dir zumindest alles Gute.


    Grüße,
    Miriam

  • Hi,
    ja, ich geb dir in vielen Dingen einfach Recht. Und laß trotzdem von dir hören aus China!!!


    Gruß Norbert

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich

    seit 12/06/2020 Sonnet 2


    rechts: HG (zu nichts nutze...)
    --------------------------------
    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...


    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...

  • Alles Gute und lass dich nicht ärgern :D
    Flocke

    Wer durch des Argwohn Brille schaut, sieht Raupen selbst im Sauerkraut. (Wilhelm Busch)



    schleichende, an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit seid 40 Jahren, beids.
    rechts:AB High Res Ultra CI HighFokus, Naida CI Q90, OP 04/2017, EA 05/2017
    Links: AB High Res Ultra CI HighFokus, Naida CI Q90, OP 05/2018, EA 06/2018
    BWZK Koblenz.

  • Alles Gute für deine China- Zeit, Bestager!


    Zu dem öff. Dienst; bin da seit 26 Jahren fest angestellt, aber so wie du das beschreibst, kann ich mich dem nicht anschließen. Es ist dort kein Ausruhen und rund- um- sorglos- Paket, und bis auf die mir (und jedem anderen in solchen Lagen, auch ausserhalb öff. Dienstes...) zustehende "Hilfe zum Arbeitsleben", brauch ich mir auf meine Hörbehinderung nichts einbilden. Ich werde zum Dienst gerufen, wenn Not am Mann ist, arbeite auch mal bis 11 Stunden in einem durch ohne Pause etc. pp.


    Was mich persönlich an der Besteuerung irritiert, ist, dass die Steuerklasse 2 eine 1 ist, und die allein erziehenden gelackmeiert werden, und ihnen genauso viel Steuern abgezogen werden, wie Singles ohne (Kinder)Verpflichtungen.

    rechts: CI seit Sept. 2013, danach Opus 2XS (sehr gern)+ Rondo (weniger gern). Seit 7.07.2020 Sonnet 2.
    links: Schwerhörigkeit bei Otosklerose, HG von Phonak

  • Huh,


    China scheint das Arbeitsland der Zukunft zu sein, du bist schon der Zweite, den ich "kenne" der ab Januar in China arbeitet.
    Das überrascht mich insofern, weil ich dachte es wäre schwierig Visum und Arbeitserlaubnis zu erhalten, das scheint aber nicht so zu sein.


    Unsere Tochter hat Chinesisch gelernt, daher weiß ich, dass es in der Sprache besonders auf die Betonung ankommt, ein Wort und vier unterschiedliche Bedeutungen, je nach Betonung.


    Ich bewundere dich für deinen Mut und wünsche dir alles Gute und dass du das bekommst was du dir erhoffst.

    Grüße
    Sigrid


    schwerhörig nach Masern 1962
    HG seit 1964
    Hörsturz 2000
    bilateral CI von Cochlear: Okt. 2007/Nov.2008, N6 seit 29.11.2013