Der ideale Zeitpunkt für das 2. CI?

  • Wie gesagt, daß Du Angst hast, ist verständlich.

    Ich schätze mal, jede(r) von uns hatte so ein bißchen Schiß vor der OP gehabt.

    Und das ist, glaube ich, auch normal.



    Was mir bei Dir nur so auffällt, ist, daß Du Dich eher an diese negativen Dinge "klammerst".

    Natürlich sind sie nicht schön.

    Natürlich müssen sie auch mal erwähnt werden!

    Natürlich gehören die zum CI-Leben dazu!


    Ich denke nur, daß es wichtig ist, sich nicht ganz besonders auf diese Dinge zu konzentrieren.




    Mal ein Beispiel:

    Der Tinnitus.

    Ich bin von Kindesbeinen an daran gewöhnt, mit diesem einen Ton im rechten Ohr zu leben.

    Der war da.

    Aber nicht immer.

    Wenn damals der Fernsehsender Übertragungsprobleme hatte, und dieses typische Bild plus dem Dauerton gekommen war, mußte ich sofort den Raum verlassen, denn ansonsten war mein Tinnitus wieder da gewesen. Das war nämlich zufälligerweise der gleiche Ton gewesen.

    Ich durfte den nirgends woanders mal (kurz) hören, denn dann war der auch wieder in meinem Kopf, an meinem Ohr zu hören gewesen.


    Hatte ich dann mal eine Mittelohrentzündung gehabt, und durfte deswegen mein HG damals nicht tragen, tauchte dieser Ton auch auf. Ich hatte mir als Kind stets eingeredet, daß es meinem Ohr "langweilig" war. Es konnte nicht hören, durch diese Watte im Ohr, also poduzierte es dann wieder diesen blöden Tinnitus.


    Irgendwie hatte ich als Kind gelernt, damit zu leben, es zu "überhören", und meist war der Ton auch nicht mehr da gewesen.

    Habe ich nur an diesen Ton gedacht, war dieser sofort da gewesen, und ich konnte den wieder hören.


    Als ich erwachsen wurde, tauchte dieser blöde Tinnitus an bestimmten Momenten auf. Mir ist aufgefallen, daß es immer dann war, wenn ICH Streß hatte. Egal, ob durch einen "richtigen" (von viel zu viel Arbeit) oder von einem "falschen" (ich habe mich privat selbst zu sehr unter Druck gesetzt) verursacht. Der Ton war da, wurde sogar ziemlich penetrant.

    Nach meinem Hörsturz war es da sogar noch schlimmer gewesen! Denn mein Ohr konnte ja nichts mehr mit dem HG hören, bzw. nur hier und da manche Geräusche. Tinnitus wurde also deutlich lauter, hielt länger an.


    Ich mußte lernen, mich selbst runter zu fahren. Nicht auf diesen Ton mich zu konzentrieren, und vor allem sehen, daß ich mir selbst den Druck herausnahm.


    War ich abgelenkt und entspannter, war der Ton auch weg gewesen.

    Also, einiges konnte ich selbst beeinflussen. Und ich habe in dieser Hinsicht schon an mir gearbeitet.

    Bei der Arbeit konnte ich sagen, daß es mir doch etwas zu viel war, und es wurde gemeinsam versucht, eine Lösung zu finden.

    Und im privaten Bereich mußte ich halt eben selbst neue Prioritäten setzen.

    Aber das hatte geholfen, daß der Tinnitus leiser wurde, sogar weg war.


    Das ist also etwas, was man selbst doch ein wenig beeinflussen kann. Man muß halt nur zu sich selbst ehrlich sein.


    Natürlich war auch die Tatsache, daß ich mit meinem schlechteren Ohr alleine alles hören "mußte", was ziemlich unmöglich war, da es ja eh nicht gut hören konnte, ein Grund für meinen Tinnitus.


    Nach der OP meiner rechten Seite, hatte es sich dann auch deutlich gebessert.

    Mein Ohr "langweilt" sich nicht mehr, weil es wieder was hören kann. Links, damals noch die reine HG Seite, mußte nicht mehr alles "alleine" machen, und ich war nicht mehr so angespannt, weil mir das Hören ja dann deutlich leichter fiel.


    Natürlich war das erste Hören mit der CI Seite komisch gewesen.

    Damit hatte ich auch gerechnet!

    Rest liegt ja an mir.

    Allerdings hatte ich ja schon vorab gelernt, mir selbst keinen Druck mehr aufzubauen. Also habe ich einfach nur gelauscht, gelernt, und das neue Hören genossen. Komisches mit Humor genommen, und weiterhin Geduld gehabt.

    Das hatte sich dann ausgezahlt. Ich behaupte, daß mein CI Hören mit der rechten Seite jetzt echt normal klingt. Normaler geht es schon gar nicht mehr.


    Deshalb werde ich auch mit meiner linken Seite, welches ja im Juli vor einem Jahr ebenfalls einen Hörsturz bekommen mußte, sehr viel Geduld und Humor aufbringen. Ich bin einfach nur neugierig, was mich das neue, inzwischen ja Stereo-CI-Hören bringen wird.

    Ich habe ja erst seit Januar meinen SP. Die Reha geht offiziell noch anderthalb Jahre weiter. Bis dahin besuche ich das CI Zentrum, mache die Musiktherapie mit, nutze meine Stunden bei der Logopädin, und wenn der Techniker mal wieder dran kommt, werde ich mich mit dem kurzschließen, was gut für mich läuft, und was ich meine, was noch eventuell gemacht werden könnte. Da kann er ja was ausprobieren.


    Wichtig ist halt, daß man sich selbst nicht zu sehr unter Druck setzt.

    Ja, man will wieder hören. Das ist nur zu verständlich!

    Man sollte seine (realistischen!) Ziele haben, und sehen, wie man diese per Training erreichen könnte.

    Aber, man sollte auch seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben! Immerhin braucht alles seine Zeit, und wir hören und lernen doch ein Leben lang.


    Ein bißchen wird man sich wohl mit dem fremden Klang arangieren müssen. Aber, es ändert sich auch zum Guten, zum natürlicheren Hören. Das Gehirn muß noch trainiert werden, und ich schätze mal, daß bei den Einstellungen noch nicht die letzten Schrauben gedreht, das letzte Knöpfchen gedrückt worden ist.

    Aber, man muß halt auch seinem Gehirn etwas Zeit geben, mit der nächst neueren Einstellung eine Weile zurecht zu kommen, bevor dann wieder was neu umgestellt werden könnte.


    Es wird ganz bestimmt noch besser werden!



    Ich wünsche Dir alles Gute!



    Gruß Sheltie

  • Hallo Sheltie,


    du hast es hier nochmal wunderschön erklärt, worauf es an kommt bei einer Hörreise mit Ci und eben auch mit deinen ganz persönlichen Erfahrungen. Jeder von uns hat seine eigene Hörbiographie und muss für sich den Weg finden. Danke für deine Worte.


    Gruß Anne

  • Vielen Dank für deine liebe und ausführliche Antwort!


    Den Druck muss ich wirklich rausnehmen und auch den ganzen Stress, sei es wegen neuer Arbeit, neuem Hören oder vieler privater Sachen.


    Ich versuche positiver zu denken und bekomme zum Glück professionelle Hilfe um mich in den Griff zu bekommen.


    Der Tinnitus kann nicht besser sonder eher schlimmer werden wenn ich immer so angespannt bin, dass wird mir immer mehr bewusst.


    Es tut mir leid, dass ich euch auf die Nerven gehe.


    Viele Grüße

  • Der Tinnitus kann nicht besser sonder eher schlimmer werden wenn ich immer so angespannt bin, dass wird mir immer mehr bewusst.

    Genau das meinte ich ;)



    Und, keine Sorge!

    Du gehst mir nicht auf die Nerven!

    Das Forum ist doch dafür da, damit einem geholfen werden kann.


    Manchmal braucht es halt einen kleinen, total lieb gemeinten "Arschtritt" ;)


    Versuche wirklich den Druck raus zu nehmen, und erfreue Dich an die kleinen Erfolge, die Du sicherlich auch schon gehabt hattest.

    Bau Dich daran auf, dann kommt der Rest schon meist wie von selbst ;)




    Schönen Gruß

    Sheltie