Einseitige Taubheit, Folgen, Umfeld und Danksagung


  • Hallo liebe Mitglieder,
    der Artikel bringt mich dazu, erneut einen Beitrag zu erstellen. Er sagt so viel aus. Ich denke auch einseitige Taubheit, die plötzlich durch einen Virus oder Hörsturz eintritt ist ein Schock und die Zeit danach hat viel mit Abschied nehmen und Trauerarbeit zu tun. Die akustische Welt ist plötzlich eine ganz andere. Hören und Verstehen ist plötzlich nicht mehr einfach da, sondern häufig sehr anstrengend. Viele Situationen sind oder scheinen plötzlich nicht mehr möglich. Schnelle Erschöpfung und Müdigkeit werden ständige Begleiter. Normalhörende können/ wollen sich das häufig nicht vorstellen. Verständnis ist selten eine Reaktion auf diese Behinderung. " Stell dich nicht so an, Du hast ja noch ein Ohr.
    Deine Krankheit kann nicht tödlich sein, folglich ist sie nicht schlimm. Jeder findet seine eigene Krankheit am schlimmsten. Bei einem erstmaligen Treffen mit einer Person nach meinem Hörsturz (diese hat kein Hörgerät oder Ci ) wurde ich mit den Worten begrüßt " Willkommen im Club der Schwerhörigen "."
    An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Alex bedanken, der im www einen ganzen Blog über dieses Thema " einseitige Taubheit" erstellt hat. Für Betroffene eine sehr hilfreiche Plattform. Ich warte mit Spannung auf das Buch. Natürlich möchte ich mich bei allen Mitgliedern dieses Forums bedanken für die vielen Beiträge und Hilfestellungen. Bei meiner Reha in Bad Nauheim nach meinem Hörsturz hatte ich viele schöne Gespräche mit Hörgeschädigten, die größtenteils schon mit CI versorgt waren. Letzte Woche hatte ich meine EA und ich gehe mit meinem einem Ohr auf die lange Reise des wieder Hören Lernens. Jetzt so kurz nach der EA ist es schon schön, dass sich der Kopf wieder vollständiger anfühlt, jetzt wo es wieder Input gibt, auch wenn ich wenig verstehe.
    Meine Hochachtung gehört allen Menschen, die beidseitig versorgt sind und Ihr Leben damit meistern.
    Alles Gute und liebe Grüße.

  • Guten Morgen,



    ich möchte mich erst Mal für den tollen Beitrag und den Link bedanken.


    Nachdem ich den Bericht vom Alex gelesen habe, stellt sich mir eine Frage, die ich hier gerne im Forum mal stellen möchte:


    ich werde in 14 Tagen rechts mein 1. CI bekommen, EA dann entsprechend später. Ich trage seit dem 3. Lebensjahr beidseitig HG und habe mir bis vor drei Monaten eingebildet, sehr gut mit den HGs zurecht zu kommen, bis eine (von mir verschuldetet etwas sehr verspätete) Routinekontrolle beim Akustiker ergeben hat, dass ich wohl ohne CI nicht mehr zurecht kommen werde.


    Nun habe ich im Tieftonbereich jedoch noch relativ gutes Restgehör: 30 dB bei 250 Hz, 40 dB bei 500 Hz, 60 dB bei 750 Hz, 70 dB bei 1kHz.


    Natürlich wird versucht, restgehörerhaltend zu implantieren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich mein Restgehör verlieren werde, ist halt sehr hoch. Eine kurze Elektrode kommt in meinem Fall wegen dem fortschreitenden Verlust der Hördynamik (Differenz zwischen Wahrnehmung des Tones und der Unbehaglichkeit) nicht infrage, da sonst irgendwann eine Reimplantation der kurzen und eine lange Elektrode implantiert werden müsste.


    Alex schreibt in seinem Blog, dass bei einer Spätertaubung, was ja dann bei mir der Fall wäre, keine vollkommende Stille auf dem Ohr eintreten würde, sondern stets ein Tosen und Rauschen zu "hören" sei.


    Meine Frage ist nun: wie sind eure Erfahrungen bei einer Ertaubung durch die Implantation? Wie viel habt ihr vor der OP noch an Restgehör gehabt und wie viel habt ihr wann (bei der OP oder in der Zeit danach) verloren?


    Diese Frage beschäftigt mich sehr, auch wenn ich so langsam anfange, mich gedanklich auf den schlimmsten Fall einzustellen und mich hörmäßig von meinem rechten Ohr zu verabschieden.


    Vielen lieben Dank für eure Antworten.


    Liebe Grüße Silke

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Ich bin auch schwerhörig, beidseitig, und seit meinem dritten Lebensjahr mit HGs versorgt gewesen.
    Ich kam mit meinen HGs auch recht gut klar, auch wenn ich doch eher ziemlich stark schwerhörig gewesen bin.


    Bei mir war dann rechtsseitig ein Hörsturz gewesen, der mein Ohr nahezu taub gemacht hatte.
    Klar, mit HG hatte ich hier und da mal einen total verzerrten Ton, ein Geräusch wahrgenommen. Aber nicht so, daß es hilfreich gewesen wäre, auf dieser Seite ein HG als "Unterstützung für das andere Ohr" zu tragen.
    Richtungshören war damit auch nicht gegeben.


    Deshalb war mir bei meiner CI OP auch recht egal gewesen, ob mein eventuell "vorhandenes Restgehör" kaputt gemacht werden könnte.
    Das bißchen, was ich da eventuell noch hören konnte, war so gering gewesen, daß es keine Rolle spielte. Und ohne HG konnte ich sowieso nichts mehr hören.
    So gab es bei mir keinen ganz so großen Unterschied auf dem besagten Ohr.


    Der große Unterschied war damals allerdings umso heftiger, direkt nach meinem Hörsturz.
    Ich konnte nämlich nachts, ohne HG, auf meiner rechten Seite noch meine Wellensittiche leise zwitschern hören, und natürlich auch meine Hunde, wenn sie mal angeschlagen hatten. Das fiel durch den Hörsturz komplett weg.
    Oder beim Schwimmen. Auch ohne HG konnte ich die Leute im Wasser sehr gut hören, sogar verstehen, wenn sie nahe genug waren, bzw. wenn sie etwas weiter weg waren, und ich dabei zusätzlich von den Lippen ablesen konnte.
    Das linke Ohr war, und ist nicht in der Lage, die gleiche "Arbeit" zu verrichten.






    Wie sieht es bei Dir aus, wenn Du das HG ab machst?
    Kannst Du dann trotzdem noch was hören, sogar eventuell etwas verstehen?
    Sollte das nicht der Fall sein, wäre dann die Überlegung, ob es einen so großen Unterschied machen würde, alles zu versuchen, um das Restgehör doch noch irgendwie zu retten?
    Das ist allerdings etwas, was Du mit Dir selbst ausmachen muß.




    Ich weiß noch, daß meine Freundin mir mal direkt nach ihrer OP erzählt hatte, daß sie vorher von den Ärzten gefragt wurde, ob sie auf ihr Restgehör achten sollten. Dann haben sie auf ihren Hörtestergebnis geschaut, und gemeint, das dies wohl nicht so wirklich lohnte. Und meine Freundin hatte denen auch zugestimmt. Sie hatte ohne Hörgerät eh nichts, und mit den HGs sowieso schon ziemlich schlecht hören können. Da gab es irgendwie keinen Grund, etwas "zu retten".




    Ich drücke Dir für Deine Entscheidungsfindung die Daumen.
    Solltest Du, wegen dem Restgehör, noch etwas Zweifel haben, so würde ich mit den Ärzten, Audiologen reden. Sie kennen Dein Hörgergebnis, können die Tabelle viel besser interpretieren, und Dir vielleicht auch viel mehr zu Deiner Hörbiographie sagen.



    Schönen Gruß
    Sheltie

    • Official Post

    Hallo Silke


    Ich bin nicht direkt nach der Op, komplett ertaubt gewesen. Ich hatte links noch Restgehör im Hochtonbereich ab 80db aufwärts, im Tieftonbereich hörte ich vor der Op schon nichts mehr, heute nach 2 CI Ops und über 6jahre nach der Op höre ich dort leider nur noch 3töne bei 110db.
    Links waren alle Bereiche vor der Op gleichschlecht, nach der Op war nur noch restgehör vorhanden ab 1khz ab 80db aufwärts das hat sich mit der Zeit verschlechtett.
    Bei mir kam keine EAS oder Hybrid Lösung in frage und daher bekam ich die normale Elektrode.
    Ich Gehör habe bisher noch nie Gehört das wenn jemand die EAS oder Hydbrid Elektrode die ja kürzer ist, danach Re-implantiert werden musste weil das schlechter geworden ist. Bin gerade verwundert das man dir das sp gesagt hat, aber der ARzt oder wer auch immer das dir gesagt hat wird das ja begründet haben.


    lg
    franzi

    MedEl Synchrony -Sonnet CI 30.9.2014
    EA 27.10.2014
    links. Cochlear 512 10.11.2010
    EA 6.12.2010
    re-implantation 9.5.2011
    EA 14.6.2011

  • Liebe Silke,
    Danke, ich finde den Artikel der jungen Frau auch sehr bewegend.
    Zu Deinen Fragen:
    mit den Geräuschen meint Alex den Tinitus, dem man als Spätertaubter fast immer hat. Mit Hören hat das nichts zu tun. Das sind Geräusche, die das Gehirn wahrnimmt, produziert, weil kein Input mehr kommt. Sozusagen der Phantomschmerz des nicht mehr funktionierenden Ohres. Diesen Phantomschmerz hat man eigentlich nicht, wenn man schon immer taub war. Das Gehirn will/ muss dann ja nichts ausgleichen.


    Bei mir wurde Taubheit mit Hörtesten diagnostiziert. In der Praxis habe ich mit dem Ohr nichts mehr gehört. Was man nach der OP mit dem Restgehör noch anfangen kann, keine Ahnung. Ich denke das Hören mit dem CI überdeckt dann alles, was man so noch hören würde.
    Auch hier kenne ich jemanden, der mit Hybrid-CI s versorgt wurde. Das bedeutet CI und Hörgerät in einem Prozessor.
    Wie ich das verstanden habe, ist das Hörbild in diesem Fall klangvoller, wenn man in dieser Form noch was von dem Restgehör hat. Ansonsten kann man das sicher vernachlässigen.


    Ich wünsche Dir alles Gute.
    LG
    Anja

  • Ich bin ebenso beidseitig spätertaubt.
    Ich muss auch ständig um Verständnis bei den Normalhörenden kämpfen.
    Die können sich das einfach nicht vorstellen.
    Letzt mein HNO-Arzt, als ich ihm sagte, wie mich der Tinitus belastet.
    Er meinte er habe auch Tinitus und so schlimm sei das nicht.
    Was soll man denn da noch sagen ?
    Oder auf der Arbeit, als mein Chef mich vor einiger Zeit zum telefonieren zwingen wollte.
    Brüllt der mich plötzlich im Vieraugengespräch an: "DU KANNST SCHON DU WILLST NUR NICHT !"
    Als ob er das beurteilen könnte........ ja, als hörgeschädigter ist es ein Kampf gegen Windmühlen, jeden Arbeitstag......
    Bin froh, wenn ich das endlich alles hinter mir habe, zumindest beruflich.

  • Vielen lieben Dank für eure Antworten.



    Ich antworte am besten mal der Reihe nach:


    im Tieftonbereich kann ich sogar auch Sprache ohne HGs relativ gut hören und verstehen, wenn die Stimme tief genug ist. Natürlich nur in relativ ruhiger Umgebung. Ich unterhalte mich abends im Bett nach dem Ablegen der HGs noch oft mit meinem Mann und morgens nach dem Haare waschen im Bad kann ich auch mit meiner Familie kommunizieren (mit meinen Töchtern aufgrund der Stimmlagen ist es schon schwieriger). Auf Dauer könnte ich natürlich nicht ohne HGs kommunizieren.


    Mein Leben lang habe ich immer ohne HG telefoniert; ich musste aufgrund der anstehenden OP von rechts nach links "umschulen". Das war kein Problem.


    Mit der Oberärztin haben wir (mein Mann und ich) uns lange unterhalten und überlegt, was noch zu machen ist. Sie hat die lange Elektrode vorgeschlagen und damit begründet, dass mit einer weiteren Verschlechterung der Restgehörs zu rechnen ist. Meine Freundin, die Akustiker Meisterin ist und die ganze Geschichte mit dem CI Ende Februar 2017 losgetreten hat, sagt auch, dass die Werte vom Restgehör auf Dauer nicht bleiben werden. Natürlich versucht die Klinik (Uni Köln) auch, restgehörerhaltend zu operieren.Garantie gibt´s natürlich nirgendwo...


    Es soll jedoch auch nicht ausgeschlossen werden können, dass evtl. auch erst einige Zeit nach der OP sich das Gehör verabschiedet, da soll die Flimmerhärchen mit der Elektrode verwachsen könnten??? Davon habe ich hier nie etwas gelesen. Hat da einer schon mal etwas von gehört oder gelesen?


    Jedoch steht meine Entscheidung zum CI weil ich mir mittel- bis langfristig eine Verbesserung der Lebensqualität und der Erhaltung meines linken Gehörs bzw. ein Hinausschieben eines evtl. 2. CIs erhoffe. Dass der Weg nicht einfach sein wird und man da psychisch sehr stark belastet sein wird, ist mir klar. Aber ihr es alle habt geschafft, warum sollte es dann bei mir nicht funktionieren?!? 8)


    Ich hoffe einfach mal, wenn sich mein Restgehör tatsächlich während oder nach der OP verabschieden sollte (was ich natürlich nicht hoffe, da ich wenigstens, wenn ich alleine bin und mein Mann auf Geschäftsreise ist, nachts einige Geräusche hören möchte und nicht der Umwelt quasi "hilflos" ausgeliefert sein will :sleeping: ), ich dann wenigstens keinen Tinitus bekomme. Warten wir´s mal ab...


    Mir geht es auch weniger um das Hören mit Restgehör und CI gleichzeitig, da hoffe ich schon, dass das CI seinen Job machen wird und das Hören übernimmt und man da ein gleichmäßiges Verhältnis zwischen CI und Ohr einstellen kann. Ich möchte nur, wenn ich das CI ablege, trotzdem etwas hören und wahrnehmen können und nicht quasi von der akustischen Welt "abgeschnitten" sein. Da warte ich einfach mal ab, was überhaupt passiert.


    Von der Kombination CI /HG wurde auch in meinem Falle abgeraten.


    bestager: ich stehe mit knapp 46 noch voll im Berufsleben und habe noch einige Jahre vor mir. Ich habe jedoch das Glück, dass meine Dienststelle (Bürgermeisterin, Beigeordneter, Chefin und meine eigenen Mitarbeiter und die anderen Kollegen) komplett hinter mir stehen und mich unterstützen. Gerade eben habe ich vielen Kooperationspartnern (Kreisverwaltung, andere Behörden, Sport, Ehrenamtler usw.) eine E-Mail geschrieben, dass ich aufgrund einer Ohr-OP für längere Zeit ausfallen werde und ich hoffentlich gut gestärkt und erholt im Spätsommer meinen Dienst wieder aufnehmen werde und mich auf die weitere gute Zusammenarbeit freue. Ich habe bereits jetzt schon viel positives Feedback erfahren dürfen. Morgen habe ich vorerst meinen letzten Tag und dann erst mal Urlaub, ehe ich in die Klinik gehe. Ich bin Leiterin des Sozialamtes und mein eigener Schwerpunkt liegt im Jugendbereich, wo ich viel mit Externen zusammenarbeite und viele Meetings habe, die mir unglaublich viel Spaß machen. Von daher freue ich mich auf mein CI in der Hoffnung, dass es in den Besprechungen einfacher werden wird. Es tut mir sehr leid, dass du da nicht so nette Kollegen und Chefs hattest.


    Euch allen wünsche ich weiterhin viel Erfolg mit dem Hören mit dem CI und für eure Entscheidungen,



    viele Grüße


    Silke

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo Silke,


    Zu deiner Frage , ob sich das Restgehör auch erst einige Zeit später verabschieden kann.......ja, das war bei mir so.
    Ich hatte vor der OP nur noch wenig Restgehör im Tieftonbereich. Direkt nach der OP und auch die erste Zeit danach war dieser kleine "Rest"
    noch vorhanden. Nach ca. 4 Monaten merkte ich wie sich plötzlich ohne CI alles noch dumpfer anhörte und ich dann gar nichts mehr wahrnahm.
    Die Ärztin in der Klinik meinte durch das Einschieben der Elektrode habe eine Traumatisierung stattgefunden, und diese könne sich auch erst einige Zeit später bemerkbar machen.
    Es ist für mich aber kein Problem, da ich diesen Rest nicht zum Verstehen gebraucht habe. Natürlich höre ich jetzt ohne CI auf der einen Seite gar nichts und auf der anderen Seite ohne HG nur sehr wenig. Im Moment geht das so, aber ich möchte dieses Jahr die andere Seite auch noch versorgen lassen und da mach ich mir natürlich schon Gedanken wie es dann ohne Hörreste sein wird ....z.b nachts und wenn ich es tagsüber ablege?(


    Liebe Grüße Bille

    Seit 10 Jahren schleichende Schwerhörigkeit ....beidseitige Hörgeräteversorgung
    rechts: cochlear N6 OP 1.9.2016 EA 27.9.2016
    links: cochlear N7 OP 26.9.2017 EA 25.10.2017
    Uni HNO Klinik Tübingen

  • Hallo Silke und Bille,


    Es ist Fakt, dass CI-Kandidaten an ihren Hörresten hängen und diese nicht opfern möchten.
    Wenn diese nicht verwertbar sind, ist diese Einstellung dazu objektiv kaum verständlich.
    Ich habe seit der 2. OP keine Hörreste mehr und finde das nicht schlimm. Nachts und morgens genieße ich die absolute Stille. Tagsüber käme ich gar nicht auf die Idee, die SPs abzulegen.
    Aber wenn noch tiefklingende Sprache verstanden wird, warum wird dann nicht die EAS- Versorgung angepeilt? Jede Studie besagt, dass man damit besser versteht als mit CI allein. Von Cochlear weiß ich, dass mit dem aktuellen System bei späterem Hörrestverlust die Elektrode umprogrammiert wird.


    Greetz
    Martina

  • Hallo Martina,
    Der Arzt hat mir das so erklärt, dass die EAS- Methode nur bei Patienten angewandt wird, die in den letzten Jahren ein "konstant schlechtes"
    Hören im Tieftonbereich hatten. Aber bei mir hat es sich kontinuierlich verschlechtert :(
    Ich sehe das grundsätzlich auch so wie du....ich bin mit meinem momentanen Restgehör nicht zufrieden, es hilft mir im Alltag kaum beim Verstehen.....ich bin glücklich mit meinem CI, ich nehme wieder mehr teil und es ist alles weniger anstrengend. Und das ist das was zählt, nicht dass ich nachts nichts hören werde. Aber natürlich macht man sich auch darüber Gedanken


    Liebe Grüße Bille

    Seit 10 Jahren schleichende Schwerhörigkeit ....beidseitige Hörgeräteversorgung
    rechts: cochlear N6 OP 1.9.2016 EA 27.9.2016
    links: cochlear N7 OP 26.9.2017 EA 25.10.2017
    Uni HNO Klinik Tübingen

  • Ich denke auch, dass es einfach eine Zeit lang dauert, bis man das Risiko des Resthörverlustes realisiert, verarbeitet und letztlich akzeptiert (bzw. akzeptieren muss). Ich habe da schon viele schlaflose Nächte hinter mir. Im Moment bin ich auf dem Trip, die Dinge auf mich zu kommen zu lassen und in gut zwei Wochen nach der OP bzw. in den Wochen nach der OP weiß ich mehr und kann es leider nicht ändern oder beeinflussen.
    Eine kleiner Aberglaube am Rande: als ich eben in mein Auto einsteigen wollte, hat mir ein Vogel auf die Hand gesch.... Das soll ja angeblich Glück bringen. Hoffe ich jetzt mal drauf. :thumbup:
    Die EAS- Methode wurde bei dem Arztgespräch zwar von der Ärztin kurz erwähnt, jedoch aber aufgrund der Indikation wieder verworfen. Ich vermute mal, dass da auch noch andere Dinge eine Rolle spielen.
    Ich packe es jetzt so an wie es ist und bin einfach mega gespannt, was passiert. Vielleicht kann ich ja links noch einige Jahre "online" mit HG und auch mal ohne HG z. Bsp. im Schwimmbad oder Sauna bleiben ;).
    Ich hoffe, dass ich zumindest nach der OP Positives berichten kann :thumbup:.
    Liebe Grüße Silke

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Bei mir war nach der plötzlichen Ertaubung durch den Hörsturz nur im Hochtonbereich noch ein Rest vorhanden, den hätte ich aber nie für die Kommunikation verwenden können. Im Gegensatz zu Alex hatte ich überhaupt keinen Tinitus. Ich glaube nicht, dass das durch ein spätes Ertauben immer losgetreten wird. Nach der Implantation war der Hörrest circa 10 dB leiser und das ist er bis heute geblieben. Bei mir ist das aber auch angenehm weil der Hörrest bei sehr lauten Gesellschafts-Unterhaltungen ein diffuses lautes Brandungs-Geräusch verursacht hat - so habe ich dann in Menschenmengen noch weniger verstanden.
    Ich glaube aber, dass ich sehr heikel wäre, wenn mein Resthören ist es mir noch ermöglicht hätte am Abend mit meinem Mann zu kommunizieren. Ich glaube in deinem Fall ist es sehr sehr wichtig das noch einmal mit dem Operateur zu besprechen.

  • Mit dem Operateur findet am Tag vor der OP definitiv noch ein Gespräch statt. Ich habe da auch noch, trotz des ausführlichen Gesprächs mit der Ärztin zum Ja zum CI, noch einige Fragen, die erst danach, also in den letzten Wochen, aufgetaucht sind. Es wird sich sicherlich an der grundsätzlichen Entscheidung zum CI nichts ändern, aber vielleicht wird mir da einiges klarer und ich kann noch besser erahnen, auf was ich mich einlasse. Leider gibt es grundsätzlich zu einer CI OP keine Alternativen ; ich bin jetzt auch soweit, dass ich die OP will.
    Ich bin mal gespannt, wie alles weiter gehen wird 8)
    LG Silke

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hi. Guten Abend.


    Also mit dem Resthörverlust.


    Wenn noch soviel Restgehör da ist, da stellt sich mir die Frage ob überhaupt ein CI notwendig ist.


    L.G. Wilfried



    Rechts:
    NEURELEC / OTICON
    Implantat: Digisonic Sp Evo SP: Saphyr Sp Neo
    OP 13/02/2014 Marienhof Koblenz
    EA: 14/03/2014 erfolgreich


    Links:
    taub

  • Erstaunlich dass bei so viel Resthörvermögen das die Kasse überhaupt bezahlt ?
    Bevor die bei mir zahlten, musste ich bereits so gut wie taub sein.
    Pass auf, dass das keine Geldmacherei ist, denn das machen die gerne bei Privatpatienten, weil sie da den dreifachen Satz abrechnen können.

  • Hallo,
    man könnte vielleicht rein von den Werten her, die ich hier mitgeteilt habe, sich schon die Frage stellen, warum überhaupt ein CI? Das habe ich ja auch gemacht. Das Problem ist das allgemeine Sprachverstehen (gemäß den Tests in der Klinik 30 %) verbunden mit der schlechten Hördynamik und den schlechten Werten im Hochtonbereich, dass teilweise die Frequenzen nicht messbar sind.
    Meine Akkustikerin sowie der HNO sind sogar von zwei CI s ausgegangen und der HNO erwähnte zwar, dass die Kliniken gerade bei Privatpatienten gerne schnell operieren, aber er sehe die zwingende Notwendigkeit. Die Klinik hat etwas zurück gerudert und gesagt, nur rechts, links weiterhin mit HG versuchen, worüber ich auch nicht böse bin.
    Ich merke immer mehr, dass mir Gespräche mit vielen Menschen bzw. mit Störlärm immer schwerer fallen. Daher meine ständigen Kopfschmerzen.
    Die Beihilfe hat sogar ohne aktuelle Werte das CI genehmigt, sie braucht mit der Rechnung eine Verordnung und Batterien werden auch übernommen. Die Krankenkasse hat auch alles problemlos genehmigt.
    Ich habe auch nicht sofort"ja" gesagt, sondern zwei lange Gespräche mit der Oberärztin sowie mit meinem HNO geführt- und letztlich in mich und mein Hören rein gehört..


    Es ist lieb, dass ihr euch auch die Fragen stellt, die ich mir bis vor kurzem auch immer wieder gestellt habe und ich jetzt langsam die Notwendigkeit eines CI akzeptiert habe.
    Euch allen weiterhin viel Erfolg mit dem Hören.

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo Ihr Lieben,


    wir können sicherlich Höraudiogramme besser beurteilen als manch ein Normalhörender. Jedoch kann niemand den eigentlichen Benefit aus einer Hörkurve ablesen und beurteilen, auch Ärzte und Audiologen nicht.


    Als ich zum Beispiel mit 12 meinen ersten schweren Hörsturz hatte, sprachen die Ärzte davon, dass ich taub sei. Meine Hörkurve war dann über 20 Jahre auf dem Niveau eines sehr hochgradig Schwerhörigen an Taubheit grenzend. Keiner hat mir zugetraut, dass ich jemals wieder telefonieren könnte. Mühsam habe ich das über 1 Jahr mit meiner Mutter trainiert, in dem ich anfangs sehr lang brauchte, den Unterschied zwischen Ja und Nein zu hören. Da ich in München im Internat war, wollte meine Mutter unbedingt fast täglich meine Stimme hören. Anfangs habe ich wirklich hauptsächlich nur geredet. Letztendlich bin ich wieder zum offenen Sprachverstehen gekommen. Wenn sich aber die HNO-Ärzte mein Audiogramm ansahen, konnten sie nur schwer glauben, was ich mit Hörgeräten noch hören konnte.


    Was ich damit sagen will: Das Hören ist ein ganz individuelle Wahrnehmung, und wirklich von Mensch zu Mensch verschieden. Das Beurteilen eines Tonaudiogramms kann nur einen kleinen Bereich der persönlichen Hörfähigkeit wiederspiegeln. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich über das Thema schlechte Hördynamik zu wenig weiß.


    Silkes Tonaudiogramm entspricht nicht ihrer eigenen Hörfähigkeit. Ihr Leidensdruck ist sicherlich in den letzten Jahr hoch gewesen. Jeder von uns weiß, wie anstrengend und Kräfte raubend Hören sein kann. Ich denke, sie hat sich nicht Entscheidung für oder gegen ein CI nicht leicht gemacht. Sie hat nachvollziehbare Gründe sich für das CI zu entscheiden.


    Ich kenne zwar auch von früher 1-2 CI-Träger, die auch eine schlechten Hördynamik mit dem CI hatten, und dadurch kaum vom CI profitiert haben. Hauptsächliche Ursache war eine zu lange Taubheit. Und genau das kann mir passieren, dass ich bei meinem von Geburt an tauben Ohr der Abstand zwischen C- und T-Level deutlich zu niedrig ist, und dadurch meine Hörwahrnehmung nur begrenzt ist.


    Aber keiner kann vorhersagen, wie das Hören mit dem CI sein wird. Jeder von uns würde das gerne vorher wissen........


    Liebe Grüße


    Karin

    rechts: von Kindheit an mittel- bis hochgradig schwerhörig, letzter Hörsturz mit 22 Jahren verursachte totale Taubheit.

    Juli 1990: in Hannover CI-Operation, aktuell Nucleus 6, CP920


    links: geburtstaub, Juli 2017: in München-Großhadern CI-Operation, EA: 07.08.17, aktuell Nucleus 6, CP920

    Edited once, last by KarinLa ().