CI-OP - welche Erwartungen?

  • Guten Morgen!


    Da ich jetzt endlich auch ganz sicher weiß, dass ich ein CI bekommen werde und am 20.9. meine OP haben werde, wollte ich euch mal fragen, wie das bei euch mit eurer Erwartungshaltung vor der OP war? Es heißt ja immer, dass man seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben sollte - nur ich habe irgendwie keine Ahnung, welche Erwartungen wirklich angebracht sind, und welche nicht. Ich versuche, die meinigen bewusst niedrig zu halten: zB ist mein erstes Ziel, wieder ein gutes Sprachverstehen im Alltag zu erreichen. Alles andere, wie zB Musik hören, telefonieren zu können usw. stelle ich erstmal hinten an (obwohl ich wirklich sehr gerne Musik höre!). Ich weiß auch, dass es einfach von Person zu Person unterschiedlich ist, wie man mit dem CI dann hört, als dass mir irgendjemand sagen könnte, wie ich dann zurecht kommen werde. Aber ich hab einfach schon soo viele positive Erfahrungsberichte gelesen und auch persönlich gehört, da mache ich mir natürlich schon auch recht große Hoffnungen, dass es auch bei mir gut klappen wird. Mir wurde auch schon des Öfteren gesagt, dass ich einen Vorteil dadurch habe, dass ich von Kindheit an immer mit Hörgeräten versorgt war und dass mir die Umstellung nicht besonders schwer fallen dürfte.
    Wie habt ihr die Zeit vor der OP erlebt? Habt ihr euch viele Gedanken über das Hören "danach" gemacht und welche Erwartungen hattet ihr?


    Ich freue mich auf eure Antworten! :)


    Viele Grüße,
    Christina

  • Guten Morgen Christina,


    ich habe zwar auch noch meine erste OP vor mir (31.05.2017), aber die Gedanken und Überlegungen die du hast, kann ich teilen.


    Ich selbst bin auch von Geburt an schwerhörig, bis vor mind. 6 Jahren beidseitig mittelgradig, Ende Februar 2017 wurde festgestellt inzwischen hochgradig mit einer vor allem auf dem rechten Ohr sehr geringen Hördynamik. Aus diesem Grunde werde ich rechts implantiert.


    Meine Erwartung ist meine Hoffnung, dass es mir gesundheitlich wesentlich besser geht, sobald sich mein Ohr an das "neue" Hören gewöhnt hat und mein Gehirn nicht mehr so viel Kapazität für das Hören und Sprachverstehen aufwenden muss. Nach anstrengenden "Hörtagen" (z. B. Dienstbesprechungen, Treffen mit vielen Freunden, Gespräche in lauter Umgebung usw.) wache ich nachts mit beginnenden Kopf- und Nackenschmerzen auf, welche sich bis zum Morgen verstärken und auch Kreislaufprobleme verursachen. Im Laufe des Morgen gehen die Schmerzen wieder zurück. Das ist beinahe täglich und vor dem letzten Hörtest im Februar habe ich mich immer gewundert, warum es mir gesundheitlich so schlecht geht, aber zum Glück organische Ursachen ausgeschlossen werden konnten. Aber jetzt weiß ich woher das kommt, aber dennoch ist das total nervig und ich bin froh, wenn diese Beschwerden mit dem CI hoffentlich zurückgehen. Auf Dauer belasten die Beschwerden den Körper und das allgemeine Wohlbefinden. Mir ist natürlich klar, dass das ein langer Prozess sein wird.


    Was unter dem Strich herauskommt, kann ich dir dann auch erst im Herbst sagen, wenn ich die EA (voraussichtlich 4-5 Wochen nach OP) und die ersten weitern Einstellungen hinter mir habe. Die OP vor dem Sommer finde ich persönlich nicht so schlimm, da im Sommer während der Urlaubs- bzw. Ferienzeit es im Dienst auch politisch ruhiger ist und mein Ausfall bei mir im Amt eher kompensiert werden kann. Aufgrund meiner körperlichen Beschwerden geht die Uni von einer 3-4 monatigen AU aus; ich hoffe aber, dass ich im September nach den Ferien wieder im Dienst sein kann.


    Ich wünsche dir alles Gute und uns vor allem viel Geduld! Als schon "hören könnende" ist vielleicht die Umgewöhnung einfacher, aber ich glaube, dass der Geduldsfaden auch kürzer ist, weil wir wissen, was wir hören wollen 8) . Auch wenn es sich mit einem CI alles ganz anders anhören soll.


    Liebe Grüße


    Silke

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Liebe Silke,


    vielen Dank für deine Antwort :)
    Du hast ja nicht mehr so lange bis zu deiner OP! Ich wünsche dir sehr, dass sich deine Hoffnung auf eine Besserung deines Gesundheitszustandes erfüllt!


    Mein körperlicher Zustand ist zum Glück (noch) besser als deiner. Was mich allerdings stört ist der Tinnitus. Ich versuche zwar, ihn so gut es geht zu ignorieren und ihm nicht viel Beachtung zu schenken, aber dann gibt es eben die von dir erwähnten anstrengenden "Hörtage", an denen er sehr laut und nicht zu ignorieren ist. An solchen Tagen kommen bei mir oft auch Nacken- und Schulterverspannungen und Kopfschmerzen dazu. Das einzige Glück, das ich hier habe ist, dass ich nachts nur extrem selten (ist bisher erst 2 Mal passiert) von Tinnitus geweckt werde und nicht mehr einschlafen kann, ansonsten beeinträchtigt er meinen Schlaf gar nicht. Trotzdem wärs mir natürlich lieber, ich würde ihn wieder los werden ;)


    Ja, Geduld werden wir zwei viel brauchen und die wünsche ich uns auch sehr! Aber ich glaube, wir haben hier in diesem Forum gute Unterstützung für die frustrierenden Tage, an denen vielleicht mal nichts gut läuft.


    Dass sich mit dem CI alles ganz anders anhören wird, und dass man das Hören "neu lernen" muss wurde mir auch immer wieder von allen Seiten gesagt. Wie hat es der Arzt gestern so schön ausgedrückt? "Da werden die Karten dann ganz neu gemischt." Ich glaube, das ist ein guter Vergleich. Ich bin jedenfalls schon wirklich sehr neugierig, wie es mir mit dem CI geht und wie mein Hörerlebnis dann sein wird. Ich hoffe natürlich auch, dass ich mich dann nicht mehr so anstrengen muss,... gestern war wieder so eine Besprechung, die für mich sehr anstrengend war. Der Tinnitus war sehr laut, das Pfeifen hat mich noch weniger als sonst verstehen lassen und am Ende bin ich recht frustriert und geschlaucht aus dem Besprechungsraum gegangen. Aber es gibt ja zum Glück Licht am Ende des Tunnels :)


    Ich wünsche dir - sollten wir uns vorher nicht mehr lesen - auch alles Gute für deine OP am 31.5. und drücke dir die Daumen, dass alles rund läuft!


    Liebe Grüße,
    Christina

  • Hallo Christina,



    zum Glück habe ich keinen Tinnitus und hoffe auch nicht, dass ich ihn nach der OP bekomme (kann ja eine der Nebenwirkungen sein); vielmehr habe ich Sorge, dass ich meinen Hörrest verliere -das wäre für mich fatal, weil ich zum Glück noch einen gewissen Hörrest habe, mit dem ich die tiefen Töne und Stimmen hören und verstehen kann. Totale Stille auf den Ohren kenne ich nicht; vielleicht habe ich ja Glück und es bleibt noch etwas erhalten.


    Lieben Dank für deine guten Wünsche; wir bleiben bestimmt über das Forum in Kontakt ;) :) .



    Liebe Grüße und ein frohes Schaffen,


    Silke

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo Silke!


    Ok, davor habe ich wieder keine Angst. Ich hör ohne Hörgeräte schon lange so gut wie nix mehr, nur noch sehr sehr laute und/oder hohe Töne. Und eben den Tinnitus auf dem rechten Ohr, seit ich ihn habe. Aber deine Sorge kann ich trotzdem irgendwie verstehen, da du ja noch etwas hören oder verstehen kannst. Hast du dich erkundigt, ob restgehörerhaltend operiert wird? In der Klinik wo ich mich operieren lasse, wurde mir schon am Beginn gesagt, dass sie auf jeden Fall immer versuchen, das Restgehör zu erhalten. Klappen tut's natürlich nicht bei allen Patienten. Aber ich denk mir so, ich schenk lieber im schlimmsten Fall meinen kleinen Hörrest den ich noch hab her, und bekomm dafür die Chance wieder ein gutes Sprachverstehen zu erlangen und entspannter zu hören :)


    Liebe Grüße,
    Christina

  • Hallo Christina,



    es wird grundsätzlich immer versucht so zu operieren, dass der evtl. noch vorhandene Hörrest erhalten bleibt. Dennoch lasse ich mir eine komplette Elektrode einführen, weil das Risiko, im Nachhinein doch nicht mehr mit einem HG auszukommen bzw. bei weiterer Verschlechterung der Hördynamik, mit der bei mir zu rechnen ist, eine erneute Implantation durchführen zu müssen, einfach zu hoch ist. Dann lieber gleich eine komplette Elektrode einführen auf die Gefahr des Verlustes. Das ist ein Vabanque-Spiel. Die Ärztin und wir haben hin und her überlegt und die Vor- und Nachteile versucht abzuschätzen. Wenn die Hördynamik noch stimmen würde, wäre das kein Thema mit der kompletten Elektrode. Dann brächte ich evtl. sogar auch gar kein CI und das HG könnte noch weiter ausgleichen.


    Also, Augen zu und durch und hoffen, dass alles gut geht!



    Liebe Grüße


    Silke

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo Christina,

    Wie habt ihr die Zeit vor der OP erlebt? Habt ihr euch viele Gedanken über das Hören "danach" gemacht und welche Erwartungen hattet ihr?

    Vor einem Jahr (03/16) hatte ich meine OP, im April dann meine EA. Seitdem bin ich fast komplett vom Tinnitus verschont geblieben. Das wenige, was ich ab und an höre, ist morgens, bevor ich den Prozessor wieder anlege. Nachts habe ich Ruhe. Das war eigentlich meine wichtigste Erwartung. Nebenbei ist es auch so, dass ich Gesprächen in lauterer Umgebung wieder besser folgen kann (Kantine ist allerdings zu laut, da wird's schwerer) und das Raumgefühl wieder besser geworden ist.


    Jedenfalls bin ich froh, den Schritt gegangen zu sein. Ich muß dazu sagen, dass ich 01/2015 "nur" einseitig plötzlich ertaubte. Das CI hat mir dann doch einiges an Lebensqualität zurück gebracht.


    Alles Gute für die OP, auch Dir Silke. Würde mich freuen, dann wieder von Euch zu lesen


    LG Konrad

  • Hallo Christina und Silke,


    Das ist wirklich ein intessantes Thema!


    Auch wenn ich Euch einer CI-Implantation voraus bin, wird diesmal alles anders sein. Verstandsmäßig weiß ich, dass eher zu besseren Hören im Störlärm und einen eventuellen räumliche Hören kommen kann, aber nicht zum offenen Sorachverstehen. Jedoch kann mir noch nicht so recht vorstellen, wie und ob beide CI-Seiten zusammen harmonieren. Das wäre mein Alptraum, wenn meine linke Seite sich kontraproduktiv zum Hören meines langjährigen rechten CI-Ohr verhält. In manchen Minuten bereitet mir das große Sorgen.


    Dann wiederum schleicht sich ab und zu der paradoxe Gedanke ein, dass ich vielleicht den Erfolg von früher wiederholen kann. Das erschrickt mich total, weil es so unrealistisch ist. Ich rede mich es sofort wieder aus und hoffe auch unterschwellig diese Gedanken verbannen zu können. Gefühle können manchmal ganz schön Karussell fahren.


    Liebe Silke, ich denke, es ist die richtige Entscheidung das regulär lange Elektrodenbündel zu wählen. Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass das Resthörvermögen nach einer Implantation für den Betroffenen gar nicht mehr relevant ist. Ich muss gestehen, dass ich froh bin, nachts nichts zu hören. Kein Schnarchen, keine störende Geräusche etc. Ich merke richtig, wie ich mich entspannen kann, wenn ich wirklich gar nichts höre.


    Ich wünsche Euch beiden einen schönen Abend, entspannt Euch gut!


    Liebe Grüße


    Karin

    rechts: von Kindheit an mittel- bis hochgradig schwerhörig, letzter Hörsturz mit 22 Jahren verursachte totale Taubheit.

    Juli 1990: in Hannover CI-Operation, aktuell Nucleus 6, CP920


    links: geburtstaub, Juli 2017: in München-Großhadern CI-Operation, EA: 07.08.17, aktuell Nucleus 6, CP920

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure Rückmeldungen, Konrad und Karin!


    Konrad: das freut mich wirklich sehr, dass dir dein Tinnitus so gut wie abhanden gekommen ist ;) ich traue mich ehrlich gesagt gar nicht zu erwarten, dass er auch bei mir weg sein wird, auch wenn das bei 70% aller Patienten der Fall sein soll. Ich wäre schon froh, wenn er leiser/weniger oder wenigstens nicht mehr wird. Aber da mir das niemand vorher sagen kann, mache ich mir darüber wenig Gedanken und lasse es einfach auf mich zukommen. Hauptkriterium oder wichtigste Erwartung ist das bei mir ohnehin nicht. Die größte Hoffnung mache ich mir ja auf ein besseres Sprachverstehen und entspannteres Hören ganz allgemein. Der Rest ist für mich im Moment wirklich noch Nebensache - ich versuche, bescheiden zu sein ;)


    Karin: ich hoffe sehr, dass deine Sorgen unbegründet sind und dass du auch mit bilateraler Versorgung ein für dich zufriedenstellendes Hörerlebnis erreichen kannst! Darf ich fragen, wie du das meinst, dass sich die linke Seite kontraproduktiv zum rechten Ohr verhalten könnte? Irgendwie kann ich mir grad nicht wirklich was darunter vorstellen.
    Ich versuche halt immer mir vor Augen zu halten, dass zumindest auf dem rechten Ohr nach der OP nichts mehr sein wird wie früher und dass ich es einfach auf mich zukommen lassen muss, wie ich dann höre und alles so annehmen muss wie es kommt und das Beste daraus machen muss.


    Silke: genau, Augen zu und durch! Das denke ich mir auch immer wieder. Aber es wird schon gut gehen! Die heutigen OP-Techniken sind ja wirklich schon so ausgeklügelt, dass man sich eigentlich wenig bis keine Sorgen machen muss! Wir dürfen den Ärzten schon vertrauen! :)


    Heute beschäftigen mich irgendwie mehr Gedanken an die OP selber. Ich muss noch 3 Impfungen machen, bevor ich operiert werde, und habe mich da gestern ein bisschen schlau gemacht. Dabei bin ich draufgekommen, dass das ganz schön teuer werden und mir von der KK nichts zurück erstattet wird :cursing: da denke ich mir schon, ich lass mich ja nicht zum Spaß impfen und dann kostet das wahrscheinlich fast so viel wie ein Kurztrip ins Ausland :wacko: aber wenn ich damit Komplikationen bzw. Nebenwirkungen vorbeugen kann,...
    Dann habe ich auch noch ein bisschen über Narkoseverfahren, Tubus etc. gelesen und davor hab ich dann irgendwie auch einen gewissen Respekt. Hineinsteigern will ich mich da aber nicht, bis September ists ja doch noch lang!


    Liebe Grüße,
    Christina

  • Doch,
    Ich kann mir das schon vorstellen, dass ein zweites CI nach so langem einseitigem Tragen erstmal ordentlich Störlärm verursacht, der die gute Gegenseite nervt.
    War bei mir auch so. Nachdem das erste der Senkrechtstarter schlechthin war, blieb das HG in der Schublade. Nach 3 Jahren kam das zweite CI beim subjektiv schlechteren Ohr an die Reihe und verursachte im Anfangsjahr ordentlich (Hör-)Stress. Heute möchte ich es keinesfalls missen, denn es bringt mir Klangfülle, etwas räumliches Hören und ein Back-up, wenn die andere Seite mal offline ist.


    Greetz
    Martina

  • Martina: Wann bist du nach der EA wieder arbeiten gegangen? Und: Hast Du dein HG von Anfang an weggelassen oder hast Du es erst nach einer gewissen Eingewöhnungsphase erst nicht wieder angezogen?

    CI bilateral: Mi1200 SYNCHRONY (am 19.04.2017 links und am 20.11.2018 rechts), Prozessor: Med El - Sonnet1

  • Viele Kliniken und Reha-Kliniken raten davon ab, das Hörgerät dauerhaft nicht zu tragen!!! Dadurch nimmt der Nerv doch auf der nicht versorgten Seite nichts mehr wahr! Und die Haaresinneszellen in der Cochlea werden nicht mehr stimuliert! Macht das nicht!
    Ich bin jetzt 3 Jahre mit dem CI versorgt und habe auf der anderen Seite mein HG. Ich habe das HG nur zum Training ausgestellt. Inzwischen komme ich mit der CI-Seite ganz gut zurecht. Gerade das beidseitige Hören klappt gut. Und dass obwohl mir von vornherein wegen des wenigen Restgehörs ausschließlich im Tieftonbereich auch auf der HG-Seite zu einem CI reraten wurde. Jetzt bin ich am überlegen ob ich mir ein 2. CI setzen lasse. Jedenfalls wird meine Cochlea dann nicht durch Nichttragen des HGs verkümmert sein... Denkt drüber nach, was ihr machen wollt...

  • Nord1981: Das ist mal ne Ansage. Ich denke nämlich schon die ganze Zeit darüber nach, wie ich es mache...... Die Vorstellung, nur mit dem CI zu hören und das von jetzt auf gleich, hat mich etwas berunruhigt. Zumal ich nach der EA wieder arbeiten gehen möchte, ich mir aber im Klaren darüber bin, dass ich mit dem CI nach 5 Tagen EA noch nicht auf dem höchsten Level bin.
    Mein früherer HNO-Arzt sagte damals schon: "Mädchen, trage deine Hörgeräte immer, das trainiert dein Ohr." Und das ist jetzt schon 40 Jahre her.....

    CI bilateral: Mi1200 SYNCHRONY (am 19.04.2017 links und am 20.11.2018 rechts), Prozessor: Med El - Sonnet1

  • Hallo Anataea,


    Ich bin nach 7 Wochen nach OP und Erstanpassungswoche wieder arbeiten gegangen. Allerdings habe ich auch einen körperlich sehr anstrengenden Beruf.
    Ich hatte nach der ersten CI-OP das HG auf das CI anpassen lassen, aber das brachte nicht viel, weil das elektronische Ohr sehr dominant war, ich in der Anfangszeit sowieso nur mit dem CI hören sollte. Danach hat mich das HG nur genervt, auch wegen des sehr stramm und tief sitzenden Ohrpassstücks, welches mir Gehörgangsentzündungen am laufenden Band beschert hatte. Ich habe das HG bis zur 2. CI-OP nur in extremen Störlärmsituationen getragen, da hatte es etwas geholfen. Klar sollte der Hörnerv weiter stimuliert werden, aber mit der Verstärkung, die ich damals benötigte, ging auch immer eine weitere Schädigung der Haarzellen einher.


    Greetz
    Martina

  • Hallo Martina,


    ich lese, dass du MTRA bist. Dann hast du viel mit Menschen zu tun und musst kommunizieren. Stimmt's???? Wenn du nach 7 Wochen wieder gearbeitet hast, warst du nach der EA praktisch noch 1 oder 2 Wochen zu Hause. Sehe ich das richtig? So frisch mit CI und direkt nach einer fünftägigen EA wieder zu arbeiten, stelle ich mir ziemlich heftig vor. Ich arbeite als MTA in einem Forschungslabor und bin im Moment krankgeschrieben (also jetzt ist die vierwöchige Phase zwischen OP und EA), weil es einfach nicht geht, mit nur einem HG zu arbeiten. Es strengt mich auch zu Hause schon ziemlich an, innerhalb der Familie zu kommunizieren.
    Ich werde mich da jetzt nicht selbst unter Druck setzen und abwarten, wie es läuft. Schlimmstenfalls lasse ich mich nach der EA noch 1 oder 2 Wochen krankschreiben.


    Gruß Annette

    CI bilateral: Mi1200 SYNCHRONY (am 19.04.2017 links und am 20.11.2018 rechts), Prozessor: Med El - Sonnet1

  • Viele Kliniken und Reha-Kliniken raten davon ab, das Hörgerät dauerhaft nicht zu tragen!!!


    Das stimmt nicht ganz. In Div. Stationäre Rehakliniken wie Bad Nauheim, St. Wendel, Bad Salzuflen wird empfohlen, während der Reha beim Hörtraining und auch über die Rehazeit das HG abzusetzen


    Ich selbst hatte nach der EA freiwillig auf das HG verzichtet, da ich wissen wollte inwiefern über das CI überhaupt ankommt. Die Pädagogin beim Hörtraining in MHH bat mich das HG abzusetzen, sie war erstaunt, dass ich das HG bereits in der Hosentasche hatte. Zuhause trug ich das HG im Job immer, privat trug ich eher sporadisch. Das Hörenlernen geht bei manchen schneller wenn man das HG absetzen tut, da dann das Hören oftmals zuerst auf besseren Ohr ankommt. Nicht umsonst werden bei Einseitige Hörgeschädigte das "Guthörende Ohr" vertäubt bzw mit Ohropax zugestöpselt. Als ich das 2. CI bekam, übte ich wiederum überwiegend die "neue" Seite indem ich den SP vom erstversorgte Seite absetzte. Ich tat im Job beidseitig hören, im privaten Bereich schaltete ich das HG später als bilaterale CI Trägerin die erstversorgte Seite zeitweise abzuschalten vorallem beim TV schauen.
    Die schwierigkeit am Ende ist ohnehin beides auf einem "angenehmen Gleichgewicht" zu bringen - egal ob CI/HG oder CI/CI geht. Dafür braucht einige Zeit und div. nachjustierungen.


    @Anataea: Falls bei Dir soweit sein sollte, schaue einfach wie Du mit Konstellation CI/HG klar kommst. Wenn man bis zum 2. CI plötzlich zb 5 Jahre ohne HG läuft, macht das nicht viel aus, da zuvor schon jahrelang trainiert war. Ich hatte bei meine 2. CI anpassung das HG 5 jahre nicht getragen und der Techniker sagte plötzlich zu mir "man merkt, dass sie damals regelmässig das HG trug" als ich sagte, dass das schon ca 5 Jahre her sind, da lies er mich wissen, dass das nicht ausmacht. Letztendlich muss man selbst probieren, da es CI'lern gibt denen das HG störte und andere benötigen es da es wg unterschiedliche Frequenzwahrnehmung runder klingen kann. Auch kommt es darauf an inwiefern Resthörvermögen da ist und wie verwertbar diese noch sind. Somit kann man das gar nicht verpauschalisieren.


    Gruß
    Wallaby

  • Hallo guten Abend,


    ich denke Mal, ob man nach dem CI auf dem anderen Ohr (bei mir links wegen dem CI rechts) noch sein HG tragen sollte oder nicht, muss a) jeder für sich und b) der Arzt bzw. der Therapeut entscheiden.
    Auch wenn mir die OP noch bevorsteht, ist jedoch jetzt schon nach Rücksprache mit meiner Akkustikerin klar, dass ich so schnell wie möglich nach der OP und vor der EA idealerweise links ein neues HG probieren soll. Ich werde voraussichtlich links weiterhin ein HG tragen. So ist der Plan - wie es dann tatsächlich sein wird, ist abzuwarten, wie sich meine Hörsituation weiterhin entwickelt.
    Plan ist auch, dass ich das HG also weiterhin trage...


    Jeder hat seine eigene Hörbiografie und seine persönlichen Schwierigkeiten, ich denke Mal, dass man das alles sehr differenziert und auf den Einzelfall bezogen sehen muss.


    Liebe Grüße aus dem Rheinland :)

    Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
    OP rechts am 31.05.2017 Uni Köln, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
    links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

  • Hallo,
    meine Erwartungen an das CI sind eindeutig mehr Lebensqualität, d.h für mich ein wenig von dem alten Leben zurück.Ich habe letztes Jahr durch einen Hörsturz im Mai mein Hörvermögen auf dem linken Ohr von jetzt auf sofort verloren ( Taubheit mit Hörresten ). In der Klinik wurde ich sofort auf das CI angesprochen. Der plötzliche Verlust war und ist ein Schock für mich. Die ersten Wochen waren noch von der Hoffnung geprägt, da kommt was wieder. Für mich war dann das einohrige Hören schlimm. Eine normal befahrene Straße kam mir plötzlich vor, als würde ich mitten in einer sechsspurigen voll befahrenen Autobahn stehen. Der Besuch eines vollen Restaurants war eine akustische Katastrophe. Ich war und bin schnell erschöpft und habe mich doch ziemlich zurück gezogen, da ich mich in leiserer Umgebung wohler fühle. Kino, Theater, Kabarett etc. für mich im Moment unvorstellbar. Allerdings bin ich mir dabei auch nicht sicher, ob mir das CI helfen wird. Ich habe ein permanentes Rauschen auf dem Ohr. Manchmal kommt ein Piepen dazu. Damit komme ich im Moment ganz gut klar, ich hoffe nicht, dass die Inbetriebnahme des CI s das negativ beeinflusst. Wenn das Rauschen beim Tragen des Prozessors verschwinden würde, das wäre schön. Ich bin am 22.03 operiert worden und fahre morgen bis Freitag zur EA. Meine größte Sorge ist, dass das Hören zu fremd klingt und das Hören mit CI und normalem Ohr nicht harmonisiert. Am Anfang wird das sicher so sein. Ich freue mich auch wieder auf Input auf der toten Seite. Das ist für mich auch ein blödes Kopfgefühl und natürlich hoffe ich auch auf ein leichteres, besseres Verstehen im Störlärm. Zum Anfang sind meine Erwartungen nicht so groß, obwohl das schon ein Traum wäre, nach den 5 Tagen Anpassung, Worte zu verstehen. In den meisten Fällen liest man ja, dass man schon davon profitiert....Allen, die die OP noch vor sich haben, drücke ich die Daumen!
    LG
    Vergessen habe ich noch das fehlende räumliche Hören. Ich habe schon Schwierigkeiten zu realisieren, welches Telefon klingelt, ( Großraumbüro )

  • Zitat von »Nord1981«



    Viele Kliniken und Reha-Kliniken raten davon ab, das Hörgerät dauerhaft nicht zu tragen!!!


    Das stimmt nicht ganz. In Div. Stationäre Rehakliniken wie Bad Nauheim, St. Wendel, Bad Salzuflen wird empfohlen, während der Reha beim Hörtraining und auch über die Rehazeit das HG abzusetzen


    Das wiederum habe ich auch oft gehört. Ich habe selber keine stationäre Reha gemacht. Wovon mir aber grundsätzlich abgeraten wurde ist, das Hörgerät gänzlich bzw. dauerhaft (Schublade) abzulegen. Habe aber nach Hörbüchern und Hörtrainings-Apps, auch Nachrichten, TV und Musik nur mit dem CI gehört. Später nur mit CI telefoniert. Telefonieren ist noch nicht so gut möglich... Auch habe ich zu Hause immer mal wieder nur mit dem CI gehört. Im Wald die Geräusche auf mich wirken lassen. Im Alltag blieb mein HG aber immer an.

  • Guten Morgen ihr Lieben!


    Blech125: ich kann dich so gut verstehen! Obwohl wir verschiedene Hörbiographien haben, kann ich deine Anstrengungen beim Hören denke ich gut nachvollziehen. So geht es mir seit dem Hörsturz auch, seit ich auf dem rechten Ohr alleine kein Sprachverstehen mehr habe (was ich vor dem Hörsturz noch hatte). Jetzt brauche ich unbedingt beide Ohren (natürlich mit Hörgeräten drin) um den Alltag zu bewältigen und ich wüsste nicht was ich tun würde, wenn ich jetzt noch vor meinem OP-Termin durch einen weiteren Hörsturz mein Gehör auf einem Ohr ganz verlieren würde. Das ist etwas, worüber ich mir ein bisschen Sorgen mache bzw. das mir doch Angst macht. Ich schiebe den Gedanken zwar immer wieder beiseite, aber ab und zu ist er halt doch präsent :(
    Was Kino, Theater, usw. betrifft: auch ich meide laute Umgebungen und hab mich ebenfalls ziemlich zurückgezogen, was ich sehr schade finde. Aber ich bin inzwischen wirklich sehr lärmempfindlich und halte viel Lärm kaum aus, vor allem auch, weil der Tinnitus auf dem rechten Ohr dann so laut und unerträglich wird, dass ich mich nach einer gewissen Zeit sowieso nach Hause flüchten und mich ausruhen muss.


    Was das Tragen des Hörgerätes auf dem anderen Ohr angeht: ich habe jedenfalls fest vor, mein Hörgerät auf dem linken Ohr nach der Implantation weiterhin zu tragen, alleine schon wegen des Richtungshörens. Für was anderes ist mein linkes Ohr eigentlich auch nicht zu gebrauchen, da ich auf dem Ohr alleine ebenfalls kein/kaum Sprachverstehen habe. Aber ich fühle mich auch ein bisschen sicherer zu wissen, dass ich in der Zeit zwischen OP und EA zumindest auf dem linken Ohr noch was hören und nicht komplett taub sein werde (das kenne ich sonst ja nur nachts, wenn die Hörgeräte draußen sind und ich bis auf sehr sehr laute Geräusche nix mehr hör).


    Jetzt sind es für mich nur mehr 4,5 Monate bis zur OP. Die Zeit geht doch relativ flott dahin, worüber ich nicht unglücklich bin :)


    Grüße,
    Christina