Cochlea Implantat gibts auch echt negative Erfahrungen

  • Jede OP hat Risiken, und nicht alle sind zufrieden mit dem CI!! Auch wenn es nicht so rüberkommt. Auch ich kenne persönlich Leute, die mal hier im Forum waren und total frustriert waren mit dem CI und sich nicht mehr melden. Ich kann es verstehen, wenn jemand so reagiert. Es klingt nun mal nicht so gut, wenn alle begeistert sind und man selber den Eindruck hat, nur bei mir gehts nicht.
    Gruß Norbert

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich

    seit 12/06/2020 Sonnet 2

    rechts: HG (zu nichts nutze...)
    --------------------------------
    Offenbarung 21,4
    ...und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz...

    Jesaja 35, 4-6
    Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost ..." ...dann werden die Ohren der Tauben geöffnet werden...

  • Es gibt auch Situationen, wo ich mit dem CI nit 12 Elekroden besser dran bin als Normalhörende mit 40.000 Haarzellen. Bei Reizüberflutung und völliger Überforderung von Geräuschen bei gut Hörenden kann ich oft das Wesentliche besser raushören und reagieren. So kommt es schon vor, dass ich rechts ranfahre, wenn ich ein Notarztwagen oder die Feuerwehr im Einsatz sofort lokalisiere und die anderen im Auto fragen, was denn los sei und warum ich anhalte. Wegen Dauerlärm von anderen Dingen haben sie dann nix mehr von draußen wahrgenommen.

    Ich bin dankbar, dass ich das Wesentliche mit dem CI verstehen und hören kann. Aber totzdem würde ich gerne auch wieder richtig hören können.

    links: Opus 2XS, Flex28; OP 14/09/2012 MHH
    EA: 05/11/2012 erfolgreich

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  • das halte ich fur eine gewagte Herleitung. Das Problem der Reizüberflutung trifft besonders CI Träger. Die machen oft mal Hörpause, ein Begriff, den normalhörende gar nicht kennen und nicht kennen müssen. Warum deine Mitfahrer die Sirene nicht hören könnte auch an Hochtonschwerhörigkeit liegen. Die ist mittlerweile sehr verbreitet. Ich habe auch Dinge gehört, die meine Frau nicht gehört hatte - bevor sie dann Hörgeräte bekommen hat.

    Es gibt keine, wirklich keine Situation, in der man als CI Träger hörtechnisch Vorteile hat. Man muss sich das auch nicht einreden. Die Erfolgsmöglichkeiten mit CI können beeindruckend sein, aber ich würde doch die Kirche im Dorf lassen. Sonst sind wir schnell wieder beim Thema „überzogene Erwartungen“.

    Nutzsignale aus Störgeräuschen heraus zu hören ist gerade das, was CI Trägern schwerer fällt als anderen. Eben weil die Signaleingänge wenige und diese relativ stumpf sind. Ich finde es etwas unverantwortlich wie du das darstellst.

    Advanced Bionics HiRes Ultra 3D am 01.09.2022 implantiert.

    EA: erfolgt am 29.09.2022

    Seit 03.2024 HG Links: Phonak Naida Link

  • Ich bin Mitte 40, lebenlang schon HGs, an Taubheit grenzend schwerhörig, insbesondere in der Hochtonlage. Im Herbst meine erste Implantation erhalten und kann "frisch" aus der Erinnerung beschreiben.

    Ich kann mich sehr in deinen Vater reinfühlen. Ich habe allerdings selber noch die Kurve gekriegt und mich zum CI entschieden. Zu Hause war es schwieriger geworden den Gesprächen zu folgen. Nicht so schlecht wie du es beschreibst, aber ich wollte nicht abwarten, bis es gar nicht mehr geht.
    Mein Bruder ist Akkustiker, so dass er mich auch schon dauerhaft darauf hingewiesen hat, dass ich "fällig" bin.

    Ich schildere von mir selbst und was möglicherweise bei deinem Vater passieren kann. Ich hörte bisher die hohen Töne nicht. Ein Piepen des Kühlschrankes, weil die Tür auf ist, habe ich oftmals nicht wahr genommen.
    Mit dem CI öffnet sich genau dieses Spektrum wieder und es fühlt sich im ersten Moment fast schon fremd an. Stimmen und so weiter muss man neu annehmen und lernen. Bisher habe ich alles sehr tief wohlig klingend gehört und nun ist alles sehr hoch noch leicht blechernd. Ich bin froh darüber. In genau dieser hohen Lage liegt das Sprachverständnis, aber es ist Gehirnarbeit gefragt. Die OP ist nicht primär das Problem, die Zeit danach ist es. Trainieren, trainieren, trainieren. Das Verständnis und das Annehmen der Hörwelt mit dem CI und die Besserung der Lebensumstände kommt nicht von allein. Die Art und Weise wie man mit dem CI hört, wird sich nicht ändern, aber die Wahrnehmung darüber, so dass das irgendwann vielleicht nicht mehr so blechernd für mich klingt und "normal" ist.
    Auch bin ich quasi täglich überrascht wie laut unsere Umwelt eigentlich ist. Dieser Sprung von, alles cool und alles angenehme Lautstärke hier, bis hin zu krrrraaaaaaassssss wie laut ist das da eigentlich an der Straßenkreuzung, oder wie laut sind eigentlich die Vögeln, wenn die zwitschern. :D
    Die Geräusche im Hintergrund, welche die meisten ausfiltern, hörst du neu und bewusst. Man muss meiner Meinung nach neu lernen, dass das Gehirn vieles von den Geräusche nicht bewusst in der Wahrnehmung braucht.

    So wie du das beschreibt sollte er das auf jeden Fall tun, aber hier hat es schon jemand geschrieben: Er muss es selber wollen. Schmackhaft machen ja, ihn kräftig hin zu schubsen wäre ich vorsichtig, weil ich eher davon ausgehen würde, dass der Erfolg beim Training gefährdet sein könnte. Am Ende wird wahrscheinlich auch nicht alles da sein, was ein normaler Mensch hören kann. Stichwort Musik "könnte" ein Problem sein. Man muss sich stets vor Augen halten, dass das CI kein cooles Ding ist, sondern die letzte Option vor der Taubheit oder dem Verlust der Teilhabe ist. Hiermit kannst wieder die Teilhabe am Leben erlangen. Wird alles Gold glänzen? Wahrscheinlich nicht. Ich für meinen Teil bin froh, dass es die Option gibt, da Taubheit für mich persönlich keine Option war (sofern man die Freiheit der Entscheidung hat).

    Wenn du möchtest und den Bedarf hast, kannst du mich auch direkt anschreiben.


    links: Cochlear CI1022 01.10.2025, N8; EA: 04.11.2025
    rechts: HG ReSound EQ998 DWT

  • kerberos Dem stimme ich zu, außer dass ich trotzdem mein CI für ein ziemlich cooles Ding halte.

    Dass es bei dir nun höher klingt als sonst kann daran liegen, dass du Cochlear hast, wo die Elektrode nicht so tief in die Hörschnecke reicht, wo normalerweise die tiefen Frequenzen lokalisiert sind. Das Gehirn muss da noch umlernen. Irgendwann wird es wahrscheinlich wieder "richtig" klingen.

  • Du hast natürlich absolut recht. Ich wollte nur davor warnen, dass alles von alleine und vollständig kommt, nur weil man das CI dran hängt :)

    Und ohne dem CI wird die Teilhabe schwinden. Wie vom TE beschrieben.

    Ob die Elektrode nun tiefer hätte liegen können, oder nicht, halte ich gar nicht so für ausschlaggebend. Fakt ist, dass ich diesen Bereich noch nie wahr genommen habe. Meine sehr bewusste Wahrnehmung für die hohe Tonlage ist einfach komplett neu, obwohl ich Mitte 40 bin. :)


    links: Cochlear CI1022 01.10.2025, N8; EA: 04.11.2025
    rechts: HG ReSound EQ998 DWT

  • Dass es bei dir nun höher klingt als sonst kann daran liegen, dass du Cochlear hast, wo die Elektrode nicht so tief in die Hörschnecke reicht, wo normalerweise die tiefen Frequenzen lokalisiert sind. Das Gehirn muss da noch umlernen. Irgendwann wird es wahrscheinlich wieder "richtig" klingen.

    Das mit der Elektodentiefe hat damit nicht zu tun Cito. Auch ich bin an taubheitgrenzend schwerhörig und höre aktuell sehr viel Musik, Podcast und das nicht nur gestreamt. Aktuell bin ich bei 95% Hör und Sprachverstehen angekommen, anstelle von 0% ohne Versorgung!!!;)

    Cochlear N8: Re. 2024 / Li. 2025

  • Das mit der Elektodentiefe hat damit nicht zu tun Cito. Auch ich bin an taubheitgrenzend schwerhörig und höre aktuell sehr viel Musik, Podcast und das nicht nur gestreamt. Aktuell bin ich bei 95% Hör und Sprachverstehen angekommen, anstelle von 0% ohne Versorgung!!!;)

    Das ist doch sehr gut! Warum meinst du, dass es nichts mit der Elektrodentiefe zu tun hat? Meinst du nicht, dass es tiefer klingen würde, wenn die Elektrode weiter hineinreichen würde und die tiefen Töne am richtigen Ort stimulieren würde?

  • Weil jeder Mensch unterschiedlich große Cochlearschnecken hat. Und der Hörnerv ausschlaggebend ist. Egal welcher Hersteller für die Implantation genommen wird. Es kann niemand vorher die Hersteller testen 😉

    Deswegen haben die Hersteller ja auch unterschiedliche Elektrodenlängen. Trotzdem erreicht MED-EL meistens etwas mehr Windungen und daher Stellen des Hörnervs, die den tiefen Frequenzen zugeordnet sind. Es kann sein, dass in deinem Fall es anders ist, und man wegen der speziellen Anatomie der Cochlea mit MED-EL auch nicht mehr erreicht hätte, aber generell ist das schon so. Und wie natürlich man die tiefen Frequenzen hören kann, hat schon etwas damit zu tun, wie tief die Elektrode in der Cochlea liegt. Damit will ich nicht sagen, dass MED-EL generell "besser" ist. Es ist nur einer von vielen Faktoren.

    Insgesamt sind die Hör-Ergebnisse bei allen Herstellern ziemlich gleichwertig. Sie unterschieden sich nur in Nuancen. Ansonsten wäre das in den Kliniken schon aufgefallen, wenn Patienten mit bestimmten CIs immer schlechter hören würden.

  • ... erreicht MED-EL meistens etwas mehr Windungen und daher Stellen des Hörnervs, die den tiefen Frequenzen zugeordnet sind. ...

    stimmt das überhaupt? der hörnerv befindet sich nicht in der Cochlea, sondern dahinter. :/

    insofern wundere ich mich nicht, dass es keine statistisch relevanten unterschiede im hörerfolg zwischen den herstellern gibt, soweit ich weiß.

    ganz so einfach ist es nicht. Wikipedia dazu:

    Der Nervus cochlearis (seltener Nervus acusticus) ist der Hörnerv. Die Nervenzellkörper der bipolaren Nervenzellen des Hörnervs liegen im Ganglion spirale (Ganglion cochleare). Dieses Ganglion liegt in einem Hohlraum im Zentrum der Schneckenwindungen. Die Fortsätze dieser Nervenzellen und ziehen an die Haarzellen des Corti-Organs.

    aber es ist wohl doch so, dass der hörnerv nicht in den Cochleawindungen liegt.

    hörbehindert seit Geburt, HG mit Anfang 20 (Phonak), seit ca. 3-4 Jahren massive Verschlechterung des Wortverständnisses, Okt. 2025 CI-Implantation (AB), EA Nov. 2025

    Edited once, last by Reisender (January 12, 2026 at 9:07 AM).

  • Das mit der Elektodentiefe hat damit nicht zu tun Cito. Auch ich bin an taubheitgrenzend schwerhörig und höre aktuell sehr viel Musik, Podcast und das nicht nur gestreamt

    Das ist schön für Dich aber darum geht's doch gar nicht.

    Wer im Tieftonbereich nicht taub ist, also noch Basstöne normal hören kann, der wird

  • Mit einer kürzeren Elektrode ausreichend versorgt.

    Die Frequenzen, die die Haarzellen an den Hörnerv senden, sind auf jeder Cochlea prinzipiell gleich verteilt. Ganz vorn, am Beginn der Cochlea, die hohen Töne und ganz hinten, also in der Spitze der Cochlea, sind die Basstöne. Diese tief in der Cochlea liegenden Bereiche erreicht mit der Elektrode nur med El. Bei beiden anderen Herstellern muss das Gehirn erst lernen, Basstöne zu simulieren, wenn der Patient keine Basstöne natürlich hören kann.

    Der TE erlebt gerade genau das. Er hatte den Hörverlust vor allem im Bereich oberhalb Bass. Nun sind plötzlich wieder helle Geräusche sehr laut.

    Alles normal!

  • haarzellen - sind bei den meisten ohnehin kaputt, weshalb HG nicht mehr helfen. bei der insertion der elektrode können etwaige reste nur in seltenen ausnahmefällen erhalten werden. sie gehen idR bei der insertion kaputt, können also nichts mehr zum hörerlebnis beitragen.

    wie oben schon gesagt: der hörnerv liegt nicht in den windungen der cochlea. sonst wäre es nicht möglich, auch ohne Cochlea nutzen aus einem CI zu ziehen.

    hörbehindert seit Geburt, HG mit Anfang 20 (Phonak), seit ca. 3-4 Jahren massive Verschlechterung des Wortverständnisses, Okt. 2025 CI-Implantation (AB), EA Nov. 2025

  • wie oben schon gesagt: der hörnerv liegt nicht in den windungen der cochlea. sonst wäre es nicht möglich, geschrieben auch ohne Cochlea nutzen aus einem CI zu ziehen.

    Auch wenn Du es noch hundert Mal schreibst ist das falsch. Selbstverständlichkeit liegt der Hörnerv sowohl an als auch in der Cochlea.

    Die Hörschnecke ist ein Teil des Hörnervs. Die Haarzellen geben darin elektrische Impulse an den Hörnerv. Oder wie denkst Du kommen diese sonst an den Hörnerv?

    Wenn ausnahmsweise jemand ein CI erhält, bei dem die Hörschnecke kaputt ist, dann ist das ein Zeichen für den Fortschritt der Technik. Menschen ganz ohne Cochlea können nicht mit CI versorgt werden. Die bekommen ein Hirnstammimplantat.

  • Biker
    January 11, 2026 at 12:59 PM

    Schönen Gruß

    Sheltie

    schon als Kind Hörgeräteträger, bis zum Hörsturz 2005
    rechts: CI422(SRA), N6, Okt 2015

    links: CI522, N6, Nov 2017

    Meine Story: Das Sheltie hat nun auch ein eOhr